NSG Wollmatinger Ried - Untersee - Gnadsee

  

Christian Wagner und Christoph Moning

 

Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet »Wollmatingerried-Untersee-Gnadensee« ist für Schilfbewohner das beste Beobachtungsgebiet am Bodensee. Es ist Europareservat (seit 1973), Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung (1976) und Important Bird Area. Die Liste der beobachteten Vögel umfasst rund 300 Arten. Das Wollmatinger Ried liegt an der Mündung des Seerheins in den Untersee und ist weitgehend für die Öffentlichkeit gesperrt. Eine Begehung ist nur im Rahmen der regelmäßig stattfindenden naturkundlichen Führungen möglich.

 

Voraussetzungen:

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar: Ja.

Ausrüstung: Fernglas (und Spektiv)

Zugänglichkeit der Beobachtungsstellen: Die Kernbereiche des Wollmatinger Riedes dürfen nur geführt betreten werden; die übrigen Stellen sind leicht zugänglich

 

Interessante Arten:

Schwarzhalstaucher brüten mit bis über 60 Paaren und sind im Winter ebenfalls recht zahlreich (maximal 389 Vögel 11/1997).Rohrdommeln sind v.a. Durchzügler und Wintergäste von September bis März, während die Zwergdommel Brutvogel mit 1 (2003) bis 5-6(8) (2001/2002) Brutpaaren ist. Die Kolbenente hat im Wollmatinger Ried einen Verbreitungsschwerpunkt innerhalb Deutschlands. Die Brutpaarzahlen schwanken recht stark (1992: 80 erfolgreiche Bruten; 1998: 13 erfolgreiche Bruten). Weitere brütende Entenarten sind Knäk-, Löffel-, Tafel- und Reiherente. Der Schwarzmilan ist seit einiger Zeit Brutvogel im Gebiet. Baumfalken  brüten ebenfalls, während Merline ab Mitte September durchziehen. Einige überwintern bis zum April. Wasser- und Tüpfelralle sind mit maximal 35 bzw. 12 Paaren vertreten. Seit einigen Jahren brütet die Flussseeschwalbe auf künstlich angelegten Inseln im Gebiet (durchschnittlich 35 Brutpaare). Der Rohrschwirl bewohnt mit 16-36 Paaren die Schilfflächen, in denen seit 1975 auch 20-50 Paare der Bartmeise nisten (Bestand schwankend). Daneben kommen auch Teichrohrsänger (maximal über 1000 Paare!), Drosselrohrsänger und wenige Beutelmeisen in den Riedflächen vor. Im Herbst liegen Schlickflächen frei, auf denen sich zahlreiche Watvögel einfinden. Zwergstrandläufer, Alpenstrandläufer, Kampfläufer, Bekassinen, Große Brachvögel und Dunkle Wasserläufer können dann beobachtet werden. 

Im Winterhalbjahr halten sich Singschwäne (maximal 197 Vögel 01/1993), Krick-, Schnatter-, Pfeif-  (maximal 153 Vögel 12/1997), Spieß- (maximal 983 Vögel 11/1991), Kolben- (maximal 2990 Vögel 01/1998), Tafel-, Schell- und Reiherenten im Gebiet auf. Besondere Bedeutung für rastende und überwinternde Wasservögel hat das Ermatinger Becken. Häufig rasten hier über 40.000 Wasservögel.

Immer wieder sind auch Seltenheiten im Gebiet zu finden. 2001 übersommerte beispielsweise eine Zwergscharbe, 2003 verirrten sich Grasläufer und Bairdstrandläufer in das Wollmatinger Ried.

Quelle: Die Vögel des Bodenseegebietes (1999; Heine, Jacoby, Leuzinger, Stark), Ornithologische Jahreshefte für Baden-Württemberg 14/15


Lebensräume:

Das Gebiet umfasst Flachwasserzonen, Uferröhrichte sowie die anschließende Wiesenzone im Überschwemmungsbereich des Seerheins und des Untersees westlich Konstanz.


Information:

NABU-Naturschutzzentrum Wollmatinger Ried (im ehemaligen Bahnhof Reichenau)
Kindlebildstraße 87
D-78479 Reichenau
Tel. (+49) 07531 / 78870
Fax (+49) 07531 / 72383

nabu.wollried@t-online.de

Öffnungszeiten: Mo-Fr; 9:00-12:00 Uhr und 14:00-17:00 Uhr

Sa, So und Feiertage von April bis September 13:00-17:00 Uhr

Ausstellung: Eintritt frei

Literatur:

Naturschutzgebiet Wollmatinger Ried - Untersee - Gnadensee, herausgegeben 1998 von der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Freiburg (BNL)


Anfahrt:

Mit der Bahn und dem Fahrrad: Die Bahnhöfe Hegne und Wollmatingen liegen direkt am Gebiet. Die Weiterfahrt kann dann entweder mit dem Bus oder mit dem Fahrrad erfolgen.

Mit dem Auto: Die B 33 führt zwischen Konstanz und Radolfzell direkt am Gebiet vorbei und ermöglicht Zugang zu allen beschriebenen Beobachtungsstellen.

 

Beobachtungsmöglichkeiten:

Führung durch das Wollmatinger Ried (1, in der Karte gestrichelter Weg)

Wenn Sie es einrichten können, sollten Sie sich unbedingt einer der regelmäßig stattfindenden Führungen durch die zentralen Bereiche des Wollmatinger Rieds anschließen (Adresse siehe oben). Treffpunkt ist das „Vogelhäusle“ (2) direkt südlich der Konstanzer Kläranlage. Mit der Bahn erreicht man das „Vogelhäusle“ vom Bahnhof Wollmatingen (Entfernung 800 m) zu Fuß oder mit einem Stadtbus. Mit dem Auto erreicht man den Führungstreffpunkt, indem man von Singen (von Westen) auf der B 33 kurz nach dem Konstanzer Ortsschild (linkerhand kommt kurz zuvor ein kleiner Flugplatz) rechts (Fritz-Arnold Strasse), nochmals rechts (Kläranlage) und sofort wieder links (Wegweiser NABU) abbiegt. Der Weg endet am Beginn eines Klärkanals (Geruch) (P1) (unauffälliges Hinweisschild zur „Führung“). Entlang der Kläranlage führt ein kleiner Fußweg zum „Vogelhäusle“. Die Führungen erschließen die ausgedehnten Schilfzonen des Naturschutzgebietes und bieten gute Chancen auf Drosselrohrsänger, Rohrschwirl und Bartmeise. Neben einem Beobachtungsturm auf die Schlick- und Flachwasserzone des Wollmatinger Rieds mit Enten, Limikolen, einer Flussseeschwalbenkolonie und vielen weiteren Arten, führt die Exkursion auch an einem als Entenbrutplatz angelegten Flachwasserteich vorbei, auf dem aus geringer Entfernung z. B. Kolbenenten beobachtet werden können.

Gottlieber Weg (3):

Entlang des Klärkanals führt der frei begehbare Gottlieber Weg zirka 1,3 km nach Süden. Entlang des Weges hat man gute Einblicke in extensiv genutzte Wiesen, Weiden und eine angelegte Flachwassermulde (Enten, Baumfalke, Schwarzmilan und andere). Der Gottlieber Weg endet am Seerhein.

Beobachtungsturm Reichenauer Damm (4):

Auf dem Damm zur Insel Reichenau steht die Ruine Schopflern. In der Ruine befindet sich ein Beobachtungsturm mit oft sehr lohnender Aussicht auf das Ermatinger Becken und die Hegnebucht. Enten (alle binnenländischen Arten z.T. in großer Anzahl ), Singschwäne (im Winter), Limikolen und Reiher (inklusive Rohr- und Zwergrohrdommel) können hier typischerweise beobachtet werden. Ein Radweg führt auf dem Reichenauer Damm direkt am Turm vorbei. Der Parkplatz (P2) ist vom Festland aus gesehen 700 m hinter dem Turm auf der rechten Seite. Kurz westlich des Parkplatzes trennt ein Wassergraben Damm und Insel. Von der Brücke über diesen Graben nach Norden blickend, sieht man oft Schwarzhalstaucher und andere interessante Arten.  

Beobachtungsplattform Campingplatz Hegne (5):

Eine weitere Beobachtungsplattform befindet sich am Campingplatz Hegne. Der Bahnhof Hegne ist keine 400 m entfernt. Mit dem Auto ist der Campingplatz über die B 33 erreichbar. Obwohl der Campingplatz direkt am Seeufer liegt, muss man - aufgrund der Verkehrsführung - von Konstanz kommend, zuerst zum Kloster Hegne abbiegen. Der Campingplatz ist ausgeschildert. Vom Campingplatz aus lassen sich Schilf- und Flachwasserbereiche der für den Bootsverkehr gesperrten Hegnebucht überblicken. Die Artengarnitur ist ähnlich, wie bei dem Beobachtungsturm Reichenauer Damm (siehe oben). Das Licht ist in den Abendstunden am Besten.


 

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