Vorland Tümlauer Bucht und Westerheversand

  

Felix Weiss;mit Hinweisen von Klaus Günther und Rainer Schulz

Stand: März 2004

Das Gebiet ist landschaftlich sicher eines der schönsten an der schleswig-holsteinischen Westküste. Breite Vorländer, die weite der Sandbank, urige Dörfer im Hinterland und als Höhepunkt der berühmte Leuchtturm sind zusammen Bilderbuch-Nordseeküste. Unter den Brut- und Rastvögeln findet man die meisten Charakterarten des Wattenmeeres. Zwergseeschwalbe und Seeregenpfeifer haben in manchen Jahren bedeutende Brutvorkommen. Die Vorländer sind wichtige Äsungsflächen für Meeresgänse. Das Gebiet ist Teil des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und wird von der Schutzstation Wattenmeer betreut.

 

Voraussetzungen:

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar: Mit Bahn und Bus von Husum oder mit Bahn und Rad von Tating (siehe "Information" unten).

Ausrüstung: Fernglas, Spektiv, wetterfeste Bekleidung, Gummistiefel (in der kalten Jahreszeit), Fahrrad (für Tümlauer Bucht), Kompass, Uhr, Gezeitenkalender, aktuelle topographische Karte, aktueller Seewetterbericht.

Zugänglichkeit der Beobachtungsstellen: leicht bis mühsam


Interessante Arten:

Sterntaucher schwimmen im Winterhalbjahr auf dem offenen Wasser vor dem Sand. Obwohl vor dem Sand direkt die offene Nordsee beginnt, ist das Gebiet zum Seawatchen eher ungeeignet, da es keine geschützten Standpunkte zum Beobachten gibt. Von Mitte Oktober bis Mitte Dezember und von Anfang März bis Ende April sind  Weißwangengänse und Ringelgänse (hauptsächlich im Frühjahr bis Mitte Mai) im Vorland in großen Schwärmen zu beobachten. In den Trupps der Ringelgänse werden regelmäßig einzelne Vögel der Unterarten B.b.hrota und B.b.nigricans entdeckt. Außerdem verstecken sich in den Schwärmen gelegentlich Rothalsgänse sowie Zwerggänse aus dem Skandinavischen Auswilderungsprojekt. Pfeifenten äsen im Winterhalbjahr auf den Salzwiesen und auch binnendeichs im Grünland. Trauerenten rasten im Winter vor dem Sand. Wanderfalken jagen im Gebiet und nutzen den Leuchtturm gelegentlich als Ansitz. Austernfischer, Kiebitz, Säbelschnäbler, Lachmöwe, Fluss- und Küstenseeschwalben sind häufige Brutvögel im Vorland. Seeregenpfeifer brüten im Gebiet und sammeln sich in manchen Jahren im August in größeren Trupps auf dem Sand oder auf vegetationsarmen Flächen im Vorland bei Stufhusen. Mornellregenpfeifer haben bei Stufhusen einen traditionellen Rastplatz und sind dort im Mai und August/September in manchen Jahren einzeln zu beobachten. In der Arktis brütende Limikolen (Knutt, Alpenstrandläufer, Sanderling, Pfuhlschnepfe und Kiebitzregenpfeifer) rasten auf dem Frühjahrs- und dem Herbstzug im Gebiet und sind am besten an den Hochwasserrastplätzen zu beobachten. Sanderlinge halten sich meistens auf dem Sand auf.  Die Zwergseeschwalbe hat im Gebiet ein großes Brutvorkommen. Zwergseeschwalbe und Seeregenpfeifer sind Pionierarten und reagieren schnell auf neu entstandene günstige Brutmöglichkeiten. Die Arten sind daher sehr mobil und sichere Beobachtungsplätze anzugeben ist schwierig. Trauerseeschwalben haben im Hinterland auf der Halbinsel Eiderstedt eines ihrer bedeutendsten Brutvorkommen in Deutschland. Feldlerche und Wiesenpieper sind häufige Brutvögel in den Vorländern. Ohrenlerche, Berghänfling und Schneeammer sind im Winterhalbjahr von November bis Anfang April in den Salzwiesen zu beobachten. Bei gutem Zugwetter können im Herbst tagziehende Singvögel beobachtet werden. Die Büsche um den Leuchtturm wirken wie ein Magnet auf durchziehende Singvögel. Im Gebiet wurden auch eine Reihe Ausnahmeerscheinungen entdeckt darunter Rosenmöwe, Elfenbeinmöwe, Brillenente, Schnee-Eule und Rosenstar.


Lebensräume: Salzwiesen (beweidet und unbeweidet), Sandwatt, Schlickwatt, Sandbank, Priele, Lahnungsfelder isolierte Büsche auf der Warft.


Information:

Betreuender Verein: http://www.schutzstation-wattenmeer.de

Gezeiten: http://www.bsh.de/de/Meeresdaten/Vorhersagen/index.jsp

Fremdenverkehr: http://www.westerhever-nordsee.de

Nordostseebahn: http://www.nord-ostsee-bahn.de


Anfahrt:

Mit der Bahn und dem FahrradVon Husum mit der Nordostseebahn in Richtung Sankt Peter Ording. In Tating aussteigen und weiter mit dem Fahrrad. Vom Bahnhof führt eine Strasse in nördlicher Richtung direkt zur Tümlauer Bucht. Entfernung ca. 4 km. Von dort am Deich entlang nach Norden und nach 6 km erreicht man den Parkplatz bei Westerhever (1). 

Mit dem AutoVon Hamburg auf der A23 (später B5) Richtung Husum fahren. Direkt nachdem man die Eider überquert hat, zweigt in Tönning die B202 ab, die nach Sankt Peter Ording führt. Dieser folgt man bis Tating. In Tating biegt man rechts ab und fährt nach Norden. Nach 2,5 km im Süderheverkoog links abbiegen. Dann nach weiteren 2 km bei Sieversbüll links Richtung Westerhever durch den kleinen Ort und der Straße bis zum Parkplatz am Deich folgen (1).


  Grundsätzliches zum Beobachten im Gebiet: 

Das Gebiet ist ein empfindlicher, viel besuchter Teil des Nationalparks. Daher bitte Folgendes beachten: 150 m seewärts der Deichkrone beginnt der Nationalpark. Die Tümlauer Bucht und Bereiche nördlich des Sandes sind zu großen Teilen Schutzzone 1 und dürfen nicht betreten werden. Die Vorländer dürfen nur auf den ausgewiesenen Wegen betreten werden. Obwohl es bei Niedrigwasser so aussieht ist es nicht möglich vom Leuchtturm über das Watt nach Sankt Peter-Ording zu laufen. Im Vorland sind Brut- und Rastgebiete ausgewiesen und unbedingt zu respektieren. Der historische Klinkerweg vom Leuchtturm zum Deich ist aus Naturschutzgründen nur vom 1.6. bis zum 30.9. eines jeden Jahres begehbar. Da er sehr schmal ist, darf er nur in Richtung vom Leuchtturm zum Deich begangen werden. Alle Tore, die man öffnet, sollte man auch wieder schließen. Der Leuchtturm kann mittlerweile im Sommerhalbjahr besichtigt werden. Karten gibt es aber nur am Parkplatz und nicht auf der Leuchtturm Warft (Vorbestellung Tel.: 04865-1206).

Die Gezeiten bestimmen das Verhalten der Vögel und die Beobachtungsmöglichkeiten. Folgendes ist dabei wichtig: Das Vorland und der gesamte Sand können bei Sturmfluten komplett unter Wasser stehen (Landunter). Der Sand ist aber schon bei normalem Hochwasser durch einen breiten Flachwasserstreifen vom Festland getrennt. Eine Pfahlreihe kennzeichnet einen Übergang vom Festland durch das Watt zum Sand. An ihrem Ende steht eine 5 m hohe Holzplattform, von der man einen guten Überblick über die Sandbank und die offene See hat.

Für alle Wattbereiche ist zu beachten, dass Wattwanderungen bei mangelnder Kenntnis  von Gezeiten, Wetter (Nebel, Gewitter, Sturmflut), Bodenverhältnissen (Schlickwatt!) etc. erhebliche Gefahren bergen! Viele Limikolen suchen ihre Nahrung im Watt und rasten von zwei Stunden vor bis zwei Stunden nach Hochwasser an Hochwasserrastplätzen im Vorland und auf dem Sand, wo sie dann gut zu beobachten sind.

 



Vogelkundliche Wochenenden am Leuchtturm

Die Schutzstation Wattenmeer bietet im Frühjahr und Herbst ornithologische Wochenendseminare im Seminarhaus am Leuchtturm an. Näheres unter www.schutzstation-wattenmeer.de.


Beobachtungsmöglichkeiten:

Vom Parkplatz bei Westerhever (1) führt ein Weg auf den Deich. Von der Deichkrone hat man einen guten Überblick. Im Westen schaut man auf den Westerheversand und den Leuchtturm (Route 1); fährt man auf dem Deichweg nach Süden beginnt bald das Vorland der Tümlauer Bucht (Route 2); etwas nördlich bei Stufhusen und Kamphörn sind interessante Hochwasserrastplätze (Route 3).

(verändert nach: Landesvermessungsamt Schleswig-Holstein, 2001)

Route 1: Vom Deichfuß führt ein Plattenweg zur Abbruchkante des Vorlandes (2). Am Weg äsen im Winterhalbjahr Gänse. Berghänfling, Ohrenlerche und Schneeammer suchen dann in den angrenzenden Flächen nach Pflanzensamen. Im Frühjahr kann man hier die typischen Brutvögel der Salzwiesen beobachten. Auf den beweideten Flächen rasten gerne Goldregenpfeifer. Nach 500m führt links ein Plattenweg zum Leuchtturm (2). Geradeaus geht man noch einige Meter bis man an die Abbruchkante gelangt. Eine Pfahlreihe markiert von Dort den Weg zum Sand (Wettervorhersage und Gezeiten beachten!). Auf dem Weg zum Sand (3) kann man im Watt Limikolen bei der Nahrungssuche beobachten. Es lohnt sich die Abbruchkante und die unmittelbar anschließenden Wattflächen nach Seeregenpfeifern abzusuchen. Auf dem Sand angelangt, kann man ebenfalls nach Seeregenpfeifern Ausschau halten. Zwergseeschwalben brüten in manchen Jahren und können bei der Jagd im Flachwasser beobachtet werden. Im Norden und Süden des Sandes rasten bei Hochwasser Limikolen (3a, 3b). Sanderlinge sind auf dem Sand gut zu beobachten. Man sollte genügend Abstand zu Vogelschwärmen halten, da diese sehr große Fluchtdistanzen haben. Am besten beobachtet man mit einem Spektiv. Man geht den selben Weg zur Salzwiese zurück und folgt dem Plattenweg zum Leuchtturm (5). Wo der Plattenweg nach links zum Leuchtturm abknickt, führt rechts ein Pfad zum Watt. An der Abbruchkante kann man einen etwas südlich gelegenen Hochwasserrastplatz einsehen (4). Am Leuchtturm (5) starten geführte Wattwanderungen der Schutzstation Wattenmeer. Sie stellen eine sichere Möglichkeit dar, um das Watt zu erkunden. Auf der Warft befindet sich eine kleine Ausstellung zum Wattenmeer. In den Büschen am Leuchtturm rasten zu den Zugzeiten oft Singvögel. Vom Leuchtturm führt ein schmaler Weg zum Deich zurück (Klinkerweg nur für Fußgänger) (6). Wenn dieser Weg gesperrt ist, geht man auf dem Plattenweg zurück zum Ausgangspunkt (über 2 zu 1).

Route 2: Die Tümlauer Bucht ist besonders im Winterhalbjahr interessant, um Gänse und überwinternde Ohrenlerchen, Berghänflinge und Schneeammern zu beobachten. Vom Ausgangspunkt (1) folgt man immer dem Weg am Deich und gelangt über diesen auch zum Ausgangspunkt zurück. Wenn Gänse im Vorland sind, sollte man an diesen Stellen auf die Deichverteidigungsstraße hinter dem Deich wechseln, um die Vögel nicht aufzuscheuchen. Wer die ganze Bucht abfahren möchte ist einige Zeit unterwegs (von 1 nach 9 und zurück) . Hin- und Rückweg zusammen umfassen rund 22 km. Das angelandete Treibgut am Deich wird von Ohrenlerchen und Schneeammern zur Nahrungssuche bevorzugt. Im Frühjahr sind im Vorland die typischen Brutvogelarten der Salzwiesen zu beobachten. Im Südosten der Tümlauer Bucht endet die Straße an der Außenseite des Deichs (7). Man kann nun entweder die Straße binnendeichs benutzen oder oben auf dem Deich schieben. Im Süden der Bucht (zwischen 8 und 9) soll man zum Schutz der Vögel im Vorland nur den Weg auf der Innenseite des Deichs nutzen. Hier lohnt sich ein Blick auf die Feuchtgebiete binnendeichs, an denen man je nach Jahreszeit Gänse, Säbelschnäbler oder verschiedene Wasserläufer beobachten kann.

Wenn man genügend Zeit hat, kann man im Südwesten der Bucht (9) wieder auf die Seeseite des Deiches und 2 km entlang der Dünen bis zum großen Ordinger Dünensee fahren. Im Schilf am Deich sind manchmal Bartmeisen zu beobachten, in den Dünen z. B. Rebhühner und am Dünensee Graugänse oder Zwerg- und Rothalstaucher. Mit etwas Glück kann man dort auch die Rohrdommel hören oder abends eindrucksvolle Starenschwärme beobachten.

Route 3: Vom Ausgangspunkt (1) folgt man dem Weg am Deich nach Norden. Nach etwa einem Kilometer endet bei Stufhusen die Salzwiese (10). Hier liegt ein Hochwasserrastplatz, der sich vom Deich aus sehr gut einsehen lässt. Hier kann man oft Seeregenpfeifer beobachten. Im Mai und August/September rasten gelegentlich einzelne Mornellregenpfeifer. Nach weiteren zwei Kilometern beginnt das Vorland des Norderheverkooges. Die Lahnungen und Salzwiesen hier sind ein weiterer Hochwasserrastplatz (11). Von 11 gelangt man über den selben Weg wieder zum Ausgangspunkt zurück.


 

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