Reisebericht Ostungarn

26. Oktober bis 3. November 2001


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Martin Buchhart

Christoph Moning info@birdinggermany.de

Christian Wagner Christian.Wagner@bio.tum.de (Autor des Reiseberichts)

 

Einleitung 

Der Hortobágy-Nationalpark in Ostungarn und die nördlich gelegenen Mittelgebirge sind bekannt für eine enorme Vielfalt an Vogelarten. Man kann in der Puszta und den montanen Wäldern Zwergscharbe, fast alle Reiherarten, Östlicher Kaiseradler, Adlerbussard, Rotfuß- und Würgfalke, Großtrappe, Kleines Sumpfhuhn, Zwergsumpfhuhn, Seeschwalben oder Seggenrohrsänger finden. Ebenso versprechen die Prospekte in den Bergen neun Spechtarten (inkl. Wendehals). Im Herbst verändert sich das Artenspektrum und es finden sich im Hortobágy Nationalpark große Konzentrationen von Kranichen, Gänsen und Limikolen ein. Gerade der Kranichrastplatz und die guten Chancen Zwerggänse zu beobachten machten einen Besuch Nordostungarns im Spätherbst für uns sehr attraktiv. Verschiedene professionelle Reiseveranstalter bieten geführte Reisen um diese Zeit an. Da anscheinend darüber hinaus wenig Informationen im Netz zu finden sind, haben wir uns entschlossen, einen ausführlichen Bericht unserer Exkursion ins Netz zu stellen. Ungarn hatte mich dann im November 2001 so fasziniert, daß ich beschloss im Mai - also zur besten Zeit – noch einmal nach Ungarn zu fahren und die selben Gebiete zu besuchen. Der hier vorgestellte Reisebericht wurde nach der November-Exkursion fertiggestellt. Die Beobachtungen aus dem Mai wurden im nachhinein eingefügt. Deswegen leidet die Form ein wenig.

Wir stehen selbstverständlich für weitere Informationen gerne zur Verfügung.

Strategie

Beide Reisen waren um spezielle Zielarten herum aufgebaut. Im November waren Zwerg- und Rothalsgans, sowie Östlicher Kaiseradler, Würgfalke und Adlerbussard wichtig. Außerdem legten wir ein besonderes Augenmerk auf den Habichtskauz. Zielart im Mai war der Adlerbussard und das Zwergsumpfhuhn, zwei Arten, die mir in meiner Artenliste noch fehlten bzw. noch immer fehlen. In unseren Reisezielen beschränkten wir uns auf den Hortobágy-Nationalpark mit dem entsprechenden Umland, sowie auf die Zemplén-Berge im Nordosten des Landes.

Logistik

Einreise nach Ungarn (http://www.auswaertiges-amt.de):

Für deutsche Staatsbürger reicht zur Zeit ein Reisepass oder der Personalausweis.

Verkehrsmittel
Wir reisten jeweils mit dem PKW an. Neben den Benzinkosten werden für Österreich und Ungarn Autobahngebühren fällig. Plaketten für die ungarischen Autobahnen kann man sich bei den Wechselstuben hinter dem Grenzübergang oder direkt an der ersten Mautstation in Forint oder Euro besorgen. Die billigste Plakette gilt für eine Woche und kostet 1400 Forint (6 €). Sie deckt das gesamte staatliche Autobahnnetz ab (wir sind keine privaten Autobahnen gefahren). Wer länger bleibt, sollte von vorneherein eine Plakette für zwei Wochen kaufen.

Unterkunft und Essen:

Oktober/November 2001

Wir übernachteten in Privatzimmern („Apartman“), die wir direkt vor Ort suchten. Sie waren angeschrieben, eine Tourinform (Touristeninformationszentrum) suchten wir deswegen nicht auf, es gibt sie aber an allen drei Orten. Sie sind jeweils ausgeschildert. Zum Zeitpunkt unseres Besuches gab es genügend freie Zimmer. Das Problem war eher, daß wir außerhalb der Saison waren und einige Vermieter ihre Privatzimmer schon geschlossen hatten. Aber nach maximal dem vierten Versuch hatten wir jeweils eine Unterkunft gefunden. Die Preise schwankten zwischen 2000 und 2500 Forint (16,00 bis 20,00 DM) pro Person und Nacht und ohne Frühstück. Frühstück kann man oftmals zusätzlich bestellen. Wir hatten einen Benzinkocher dabei und machten uns unser Frühstück selber. In folgenden Apartman übernachteten wir:

Vom 26.10. - 29.10.01 in Tiszafüred (Banaszkiewicz Tadeuszné, Tel: 00-36-59/352-511), Tiszafüred liegt etwas abseits.

vom 29.10. - 31.10.01 in Tokaj (Gavalla András, Tel: 00-36/47-352-691), sehr geräumiges und schönes Apartman. 

vom 31.10. - 3.11.01 in Hortobágy in einem etwas schmuddeligen Gartenhäuschen 

In Hortobágy war das Angebot an Gaststätten begrenzt. Es gab eine Pizzeria, ein schmuddeliges Lokal (Christoph schaute sich in der Nacht sein Essen noch einmal an) und die Hortobágy Csarda, eine Gaststätte in der großen Csárda an der Brücke. Die Gaststätte schloß um 19,30 Uhr (und die Ober schauten darauf, daß sie ihren Feierabend bekamen). Das Abendessen kostete in Ungarn inkl. Getränke zwischen 1350 und 2500 Forint (11,00 bis 20,00 DM) pro Person. 

Mai 2002

Viele Campingplätze hatten erst ab Anfang Mai geöffnet und renovierten z. B. noch ihre Duschen oder hatten das Reinigungspersonal noch nicht eingestellt. Die Hauptsaison beginnt erst über einen Monat später. So war die Qualität der Campingplätze - und speziell der sanitären Anlagen nur mäßig. Dafür lagen die Preise zwischen 2,2 Euro und 4 Euro pro Person und Nacht (inkl. Zelt und Auto). Dies erlaubte uns in Tokaj den weltberühmten Wein zu verkosten. Folgende Campingplätze haben wir benutzt:

In Tokaj auf dem ? (wenn man von Tokaj über die große Brücke nach Süden fährt direkt hinter der Brücke rechts), wir waren alleine. Billig

Boszva (nördliche Zemplen Berge): kleiner schnuckeliger Campingplatz (es gibt nur einen) mit Wendehals und Sperbergrasmücke als Aufwecker. Billiger

Hortobagy: auf dem Gemeindecamping hinter der Tourinform direkt südlich der Brücke. Zwar während unseres Aufenthaltes ohne Dusche aber dafür mit zwei Thermalbecken, die sehr gut geeignet waren, einen anstrengenden Tag gemütlich und entspannt ausklingen zu lassen. Aus dem Zelt: Rohrschwirl, Drosselrohrsänger. Keine fünf Minuten ins Ortszentrum und zur Hortobágy Csarda (macht im Mai nicht schon um 19,30 Uhr zu), wo es gutes, biologisches (aus Nationalparkfleisch) aber auch für Ungarn teures Essen gab.

Verständigung:

Viele ältere Leute verstehen deutsch, jüngere Leute sprechen oft englisch. Echte Verständigungsprobleme hatten wir deswegen keine. Und wenn alles versagt (wie z. B. in Boszva) Zeichensprache.

Geld:

Der Wechselkurs betrug im Winter 123,5 Forint für 1 DM, im Mai 232 Forint für einen Euro. Es ist kein Problem mit der EC-Karte an Bankautomaten Geld zu bekommen. Größere Restaurants und Tankstellen nehmen auch Kreditkarten als Zahlungsmittel.

Verwendete Unterlagen:

Bücher:

Gorman, Gerard (1991): A Guide to Birdwatching in Hungary. - Corvina, Budapest ISBN 9631330702, 95 Seiten (vergriffen, was aber nicht schadet, da nur wenig informativ).

The Birds of Hungary
von Gerard Gorman

Gebundene Ausgabe - 192 Seiten - Christopher Helm
Erscheinungsdatum: 29. Februar 1996
ISBN: 0713642351

Where to Watch Birds in Eastern Europe von Stackpole Books, Gerard Gorman; Stackpole Books (1. Februar 1997)

Gosney (1996): Finding Birds in Hungary. - Gostours, Jack House, Ewden, Sheffield, 32 Seiten. z. B. bei Christ Media Natur. Das Buch hat viele unrichtige Angaben, ist aber dennoch wahrscheinlich das beste Buch für Ungarn. Für kniffligere Arten (z. B. Zwergsumpfhuhn, Seggenrohrsänger) findet man keine konkreten Hilfen.

Für die Zemplen-Berge hatte wir einen Wanderführer Ungarn ausgeliehen (Name leider entfallen), aus dem wir die Wegbeschreibung von 2 Rundtouren entnahmen.

Karten:

Ungarn Straßenkarte 1 : 350 000 vom ADAC

Hortobágyi Nemzeti Park 1 : 90 000 von Paulus. Für 500 Forint (4 DM) in Hortobágy im Tourinform erhältlich

Prospekt inkl. Teilkarten (1 : 45 000), den man beim Lösen der Eintrittskarte im Tourinform (Hortobágy) mitbekommt und der Klarheit bringt, in welchen Gebieten man sich aufhalten darf und in welchen nicht. Übrigens wird mit dem Eintritt ein Teil der Ausgaben für den Nationalpark gedeckt, so daß das Geld wahrscheinlich nicht schlecht angelegt ist.

Wanderkarte A Zempléni-hegység (északi rész (Nordteil)) Nr. 22 im Maßstab 1 : 40000

Internet:
Folgende Internetseiten haben uns bei der Planung geholfen. 

http://www.skopf.se/lank/europa/ungarn.htm

Linkliste und einige Reiseberichte, allerdings nicht aus dem Spätherbst

http://www.c3.hu/~mme/nb/hun_list.htm

Eine Liste mit allen nachgewiesenen Vogelarten in Ungarn, außerdem sind die meldepflichtigen Arten gekennzeichnet

http://www.birdinghungary.com/

Eine Seite mit vielen Informationen 

http://www.probirder.com/

Gerard Gormans Seite für das Vogelbeobachten in Ungarn

http://www.birdquest.co.uk/frameset.cfm

Unter "Tours": Ungarn im Herbst, eine geführte Tour von birdquest

http://www.etours.cz/birds-hh.html

Haselhuhn-Erfahrung und Kranich Zug, Ungarn im Herbst. 

http://www.birdnet.de/travel/travel-e01.htm#horto-9-2201

Ein Reisebericht vom September 2001, organisiert von Birdlife Österreich.

Für den Habichtskauz gönnten wir uns einen Führer:

aquila@elender.hu : (Adresse von Thomas Griesohn-Pflieger) Der Habichtskauzmann hieß Z. Petrovics, er sprach nur leidlich englisch (und kaum deutsch), die telefonische Vereinbarung eines Treffpunktes war daher sehr schwierig. Letztendlich wurde der Treffpunkt über Büro und Internet geklärt. Ein halber Tag kostete 8000 Forint (65 DM). 

Wetter

November: Die größte Überraschung für uns war, dass wir morgens im Normalfall die Fenster unseres Autos vom Eis befreien mussten. Auch tagsüber wurde es nicht mehr richtig warm (vielleicht maximal 12 Grad Celsius). Oftmals wehte ein eiskalter Wind aus West bis Nordwest. In den Zemplén-Bergen hatten wir leider zwei Tage zähen Hochnebel und sehr schlechte Beobachtungsbedingungen für Greifvögel. Einmal regnete es dort morgens. Allgemein war das Wetter aber heiter bis sonnig.

Mai: teilweise sehr warm, nachts mild, öfters Schauer oder Gewitter. Im Hortobágy-Nationalpark oft stark windig.

Besuchte Gebiete und Vogelarten

Wir haben uns in diesem Bericht auf die Beschreibung unserer Zielarten beschränkt. Im Oktober/November 2001 sahen wir 124 Vogelarten, im Mai 2002 154 Vogelarten, wobei im Mai die Möglichkeiten sicherlich nicht ausgereizt wurden.

Hortobágy Nationalpark

Sehr wichtig ist, dass man sich für den Hortobágy Nationalpark eine Eintrittskarte besorgt. Wir wurden in den Tagen dreimal kontrolliert und dabei einmal des Feldes verwiesen (am ersten Tag bevor wir eine Eintrittskarte hatten). Zusätzlich bekommt man mit der Genehmigung eine detailreiche Broschüre (mit Kartenausschnitten) mit vielen allgemeinen und auch spezielleren Informationen zu Vogelbeobachtungsplätzen und der Zonenregelung. Die Karte gilt für mehrere Personen. Erhältlich ist sie z. B. in der Tourinform in Hortobágy. Sie kostet zirka 15 DM für eine Woche und ist für ungefähr drei Personen gültig (so ungefähr jedenfalls). Wenn man sich auf spezielle Arten wie Zwergsumpfhuhn, Seggenrohrsänger oder Großtrappe versteift, kommt man wahrscheinlich nicht umhin, sich einen Führer zu nehmen, da die entsprechenden Gebiete nicht betreten werden dürfen. Die Nationalparkwächter, die sich als Führer engagieren lassen, führen einen gerne zu den besten Plätzen.

Wenn man Gosneys Büchlein im Hortobágy-Nationalpark verwendet, sollte man sich folgender erheblicher Mängel bewusst sein:

Erstens: Der Großtrappenhochsitz, der auf Seite 18 und 19 beschrieben ist, ist nach unserer Ansicht in der Sperrzone und darf nur mit Führer betreten werden (es war die Stelle, an der wir des Platzes verwiesen wurden). Ebenso sind die Ohat Fischteiche innerhalb der Sperrzone und von der Straße aus kaum einzusehen.

Zweitens ist die Skizze der Halasto-Fischteiche (Seite 21) völlig falsch. Hier ist die Broschüre der Nationalparkverwaltung unverzichtbar. Der von Gosney eingezeichnete Weg, der östlich der Teiche entlang führt, ist eine holprige Fahrspur (ein- bis dreimal Aufsitzen), dessen Befahrung allerdings – so scheint es uns - geduldet wird. Der Weg sieht so aus, als wäre er bei stärkeren Regenfällen unpassierbar. Der nördliche Parkplatz ("park here") ist nicht existent. Spätestens bei einem Quergraben ("Halastói-lecsapolo", siehe Broschüre der Nationalparkverwaltung) auf Höhe von Teich sieben ist Schluß und es muß ein gutes Stück gegangen werden. Bei Gosney fehlt in der Skizze der nördlichste Teich. An diesem waren der Kranichschlafplatz und die meisten Limikolen. Außerdem fehlen in der Skizze bei Gosney einige Beobachtungsstände oder sie sind falsch eingezeichnet. Wer die Fischteiche erwandern will, benötigt einen ganzen Tag, Kondition und sicherlich eine bessere Skizze, als die von Gosney. 

Gute Informationen bekamen wir von einem ungarischen Vogelbeobachter, den wir an den Halasto-Fischteichen trafen und von einem Parkwächter, der eine Greifvogelausstellung (Darassai kiállitóház) an der Straße zwischen Tiszacsege und Balmazújvaros betreute. In dem Wald um die Greifvogelausstellung brütete in diesem Jahr ein Adlerbussard. 

Zwerggans:

Wir fanden die Zwerggans in den Halasto-Fischteichen (Teich IV und V). Es waren maximal ca. 100 Tiere. Zwei Probleme hatten wir. Zum einen das Gegenlicht: Die Tiere kamen irgendwann gegen Mittag oder am Nachmittag an, und der Beobachtungsturm ist so gebaut, dass man nach Westen schauen muss.

Zweitens ist die Zwerggans nicht so einfach zu erkennen, wie man das nach den Abbildungen aus dem Kosmos Vogelführer (Svensson et al. 1999) meinen möchte. Hier gibt das Handbuch der Vogelbestimmung (Beaman & Madge 1998) eine bessere Beschreibung. Trotzdem konnten wir die Zwerggänse an drei Tagen bei teilweise guten Beobachtungsbedingungen sicher bestimmen.

Die Rothalsgans ist weit seltener oder später dran, als wir angenommen hatten. Wir sahen keine, es ist uns aus dem Zeitraum, während wir im Hortobágy Nationalpark waren, nur eine Beobachtung überfliegender Rothalsgänse bekannt (aber auch eine vom Neusiedler See).

Kaiseradler waren zu unserer Zeit aus dem Nationalpark abgezogen. Wir sahen sehr wahrscheinlich sowohl auf den Hin- als auch auf der Rückfahrt Kaiseradler entlang der Autobahn M3 westlich von Füzesabony. 

Wir bekamen einige gute Tipps für Würgfalkenplätze und suchten den Würgfalken an folgenden Stellen mehrmals und erfolglos:

Wenn man von Hortobágy Richtung Debrecen fährt, kommt nach 15 Kilometern eine Abzweigung nach rechts Richtung Elep und Nádudvar. Der Straßen folgt man und nach ungefähr drei bis vier Kilometern quert eine Hochspannungsleitungstrasse die Straße. Auf den Leitungsmasten soll der Falke gut beobachtbar sein.

Ein weiterer "todsicherer" Tipp liegt an der Straße von Tiszafüred nach Füzesabony (zur M3 und nach Budapest). Hinter Poroszló führt eine Straße rechts weg nach Ket üt köz (angeschrieben). Kurz davor quert eine Hochspannungsleitungstrasse die Straße. Direkt hinter der Leitung führt ein Sandweg nach rechts. Diesem folgen bis es nicht mehr weitergeht und dann auf die Masten schauen. Auf dem fünften oder sechsten Masten sitzt der Falke anscheinend sehr oft.

Der Würgfalke meinte es gut mit uns. So bekamen wir am Neusiedler See, über dem Kirchturm von St. Andrä doch noch einen kreisenden Würgfalken zu Gesicht.

Adlerbussard:

Ein todsicherer Tipp wurde von uns dreimal aufgesucht. Ausser einer kurzen Verunsicherung, als uns ein Passant einen Rauhfußbussard als Adlerbussard verkaufen wollte, sprangen bei der Warterei Rauhfußbussarde, ein Steinkauz und viele Mäusebussarde heraus. Der fragliche Beobachtungsturm wird hautpsächlich genutzt, um die in die Fischteiche einfliegenden Kraniche fußfaulen Bustouristen zugänglich zu machen. Von der Plattform nach Norden über die Straße schauend findet man zwei Ziehbrunnen. Auf einem von diesen zwei Ziehbrunnen sitzt der Bussard "immer". Den Turm findet man, wenn man der Straße von Tiszacsege nach Balmazújvaros folgt. Sieben Kilometer nach Tiszacsege biegt die Straße rechts ab. Dieser Straße (Richtung Balmazújvaros) folgt man drei Kilometer bis man rechterhand auf den nicht zu übersehen den Beobachtungsturm trifft.

Ergänzungen für den Mai 2002:

Eigentlich wollte ich mir für Zwergsumpfhuhn und Seggenrohrsänger eine Führer nehmen. Folgende sind im Angebot (Namen absolut ohne Gewähr, Telefonnummern schon eher). Aktuelle Adressen sind im Tourinform direkt an der Brücke in Hortobágy erhältlich:

Name Telefon Fremdsprachenbeherrschung
Tar 06-30-2494159  englisch
Veguari 06-30-2395542 englisch/deutsch
Kon?has 06-20-5631326 englisch/deutsch

Leider wurde mir telefonisch erklärt, daß das Zwergsumpfhuhn im Prinzip nicht beobachtbar sei und der Seggenrohrsänger noch überhaupt nicht da sei. Ich verzichtete auf eine Führung. Man kann sich einen der Führer auch für andere Arten, wie z. B. Großtrappe, nehmen.

Positive Überraschungen im Gegensatz zum November waren die Tipps zu Adlerbussard und Würgfalke, die diesmal Erfolg brachten. Außerdem einige weitere interessante Arten:

Adlerbussard 

Auf der oben beschriebenen Straße zirka 4 Kilometer weiter (ziemlich genau bei Kilometerstein 7) sah ich zwei Adlerbussarde auf kurzer Distanz. Es war ein absoluter Volltreffer schon nach dem zweiten überhaupt im Fernglas fixierten Bussard. Ziemlich genau bei km 7 ist ein neuer Beobachtungsturm. An diesem meine einzigen Brachpieper (Singflug) und Schwarzstirnwürger.

Würgfalke

Die oben beschriebene Stelle bei Elep erwies sich als perfekt. Auf der von uns im November zweimal umsonst angefahrenen Stromleitung war der Falke auf Anhieb auszumachen.

Blauracke

In dem Prospekt, den man beim Lösen der Eintrittskarte im Tourinform (Hortobágy) mitbekommt, ist das Besuchergebiet von Szálkahalom beschrieben. Dieses Gebiet ist mit dem Fahrrad gut erfahrbar (solange es nicht regnet und die Wege völlig verschlammen). Auf dem ausgewiesenen Fahrradweg (in der Natur läuft er anders als in der Karte - aber es gibt nur einen ernstzunehmenden Weg) fanden wir mehrmals Blauracken. Der Beobachtungsturm im Sumpfgebiet (Fecske-rét) war enttäuschend, da die offenen Wasserflächen ausgetrocknet waren. Als trockener Unterstand während eines Gewitters war er allerdings unsere Rettung. In anderen Jahren kann ich mir vorstellen, daß sich ein Besuch wirklich lohnt.

Ein Gebiet möchte ich herausheben. Die Ohat-Fischteiche:

Wenn man auf der B33 von Hortobagy nach Tiszafüred fährt, kommt nach 8,5 Kilometer eine Abzweigung nach Norden Richtung Ohat (und Telehkáza). Wenn man hier hineinfährt kommen nach zirka einem Kilometer und einer scharfen Linkskurve zwei Getreidetürme auf der linken Seite (auf dem linken guter Überblick und sehr gute Moorentenbeobachtungen möglich; sofern man schwindelfrei ist und dem Material vertraut). Dort parken (am Rand des südlichen Teiches Zwergdommel) und auf dem Damm südlich der Straße nach Westen gehen. Ziel ist ein kleiner Beobachtungsturm, der von den Getreidetürmen (oben) aus zu sehen ist. Der Weg biegt nach 200 Metern links ab und verläuft zwischen zwei Teichen Richtung Süden. Nach maximal einem Kilometer kommt der besagte Beobachtungsturm (Jägeransitz? sehr unbequem). Von diesem aus hat man einen super Einblick in eine Reiherkolonie (Zwergscharbe, Rallenreiher, Rohrdommel, Löffler und so weiter). Direkt am Fuß des Hochstandes sang ein Mariskenrohrsänger und ließ sich wunderbar beobachten. Einziger Haken, ich bin mir nicht sicher, wie legal dieser Weg ist. Dies ist allerdings allgemein ein kleines Problem im Hortobagy Nationalpark.

Zemplén-Berge

Die Informationen stammen aus diversen Reiseberichten, von Thomas Guggenmoos und Herrn Petrovics (Führer), dessen Lippen allerdings bei der Frage nach detaillierten Ortsangaben vor allem für Kaiseradler "verständlicherweise" etwas verschlossen waren.

Kaiseradler:

"Kaiseradler dürften kein Problem sein" (Th. Guggenmoos). Trotzdem fuhren wir zwei Tage durch Nebel und Hochnebel und suchten den Kaiseradler vergeblich. Somit hatten wir nach Gosneys "park here" einen weiteren schönen Spruch um uns nach einem erfolglosen Morgen am Frühstückstisch wieder aufzubauen. Gute Plätze sollen sein (siehe z. B. ADAC-Karte):

die Boldogkovara Burg in der Nähe von Encs sowie die gesamten westlichen Hänge der Zemplén-Berge, die Hochebene um Erdöbenyé oder das kleine Feuchtgebiet an der Abzweigung von der Straße 37 (Miskolc - Sárospatak) nach Tolcsva.

Wichtig zu wissen ist vielleicht, dass die Adler nach 15:00 Uhr wieder in ihren Unterständen in dem Bergen sind, dass sie ohne Thermik wenig fliegen und dann auf Bäumen oder auf dem Boden gesucht werden müssen, was aber anscheinend – siehe uns – doch etwas schwieriger zu sein scheint.

Wir hatten am letzten Tag, nachdem sich der zähe Hochnebel endlich verzogen hatte, zwei Adlerbeobachtungen bei Abaújkér. Dies liegt wenige Kilometer südlich der oben beschriebenen und weit sichtbaren Burg, genau dort, wo die Straße nach Erdöbenyé abzweigt. Ein adultes Tier konnten wir gegen 12:00 Uhr beobachten, wie es von zwei Kolkraben verfolgt aus der Ebene kam und nach längerer und wunderschöner Beobachtung gegen den Wind segelnd in den herbstlich gefärbten Hängen des Gebirges verschwand.

Würgfalke:

Würgfalken brüten nach Angaben von Herrn Petrovics nicht mehr im Zemplén-Gebiet. Wir fanden auch keine.

Habichtskauz:

In den Zemplén-Bergen gibt es zirka 120 Habichtskauzpaare (allerdings mit stark schwankenden Beständen). Trotzdem erscheint uns ein Führer eine gute Garantie für eine Beobachtung zu sein. Der Herbst ist keine gute Zeit für den Habichtskauz, da er sehr oft den Schlafplatz wechselt (maximal drei Kotflecken pro Nächtigungsbaum) und weit umherstreicht. Im Frühjahr gibt es eine wesentlich höhere Chance, den Habichtskauz an den Brutbäumen zu beobachten. Unsere Chance bezifferte der Führer auf maximal 50 %. Trotzdem hatten wir Glück und konnten ein Weibchen im Ostteil der Zemplén-Berge sehr schön bei der Jagd beobachten.

Spechte

Insgesamt konnten wir 7 Spechtarten beobachten. Der Dreizehenspecht kommt in den Zemplén-Bergen nicht vor.

Allgemein gut waren die Wälder entlang der Straße, die von Abaújkér nach Erdöbenyé talaufwärts bis zum Pass (dort Weißrückenspecht gehört) führte. Im Tal hatten wir Grauspecht, Schwarzspecht und Kolkrabe. Mittelspecht und Blutspecht fanden wir an der Burg (Boldogko-vara). Außerdem ist der Mittelspecht in den vielfach vorhandenen Eichenwäldern weit verbreitet, Blutspecht fanden wir noch öfter in den Vorgärten der Ortschaften (der Ruf lässt sich gut vom Buntspecht unterscheiden).

Ergänzungen Mai 2002:

Es gab zusätzlich zur oben beschriebenen Weißrückenspechtbeobachtung weitere Stellen mit Weißrückenspecht:

Bodorét ist eine Lichtung nördlich von Füzér, im nordöstllichsten Eck Ungarns auf einer kleine Straße ins Niemandsland (man muss über Hollóháza fahren). Auf einer großen Tanne mitten in der Lichtung trieben es zwei Weißrückenspechte. Eine weitere Beobachtung gelang südlich von Telkibánya auf dem Wanderweg (siehe oben genannte Wanderkarte) zwischen Telkibánya und Potácsház.

Gut für Greifvögel erwies sich abermals die Stelle, an der wir im Spätherbst die Kaiseradler hatten, also bei Abaújkér. Dort hatte ich erneut einen wenn auch weit entfernten Kaiseradler. Eine weitere gute Stelle ist das Tal, das sich nördlich von Füzér Richtung Herman-haz-tetó und der Grenze zieht. Vor dem Herman-haz-tetó konnte ich am späten Nachmittag Steinadler (immat.) und Zwergadler (helle Morphe) beobachten. Wir beobachteten die Adler während einer Rundwanderung nördlich von Fuzér zur Grenze (viele Halsbandschnäpper) (kein Straßenzugang in das Tal).

Fazit

Außer Zwerggans und Kranichspektakel hat der Herbst im Hortobágy Nationalpark nichts zu bieten, was man im Frühling nicht genauso oder besser sehen könnte. Zusätzlich kann man im Frühjahr viele weitere interessante Vogelarten beobachten (siehe oben, aber auch Wiesenweihe, Rotfußfalke, Kleines Sumpfhuhn, Seeschwalben, Bienenfresser, Bartmeisen und so weiter). Dasselbe lässt sich auch für die Zemplén-Berge sagen (hier Schlangenadler, Zwergadler, Sperbergrasmücke und und und ). Allgemein sollte man immer im Hintergrund behalten, daß gerade die von uns gesuchten Arten (auch im Frühjahr) nicht so ohne weiteres abgeholt werden können. Man muss sich die Arten „leider“ erarbeiten. 


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