Neuwerk und Scharhörn

  

Christoph Moning, Hinweise von Nils Schaks

Die Geestinsel Neuwerk und die beiden Düneninseln Scharhörn und Nigehörn bilden den Kern des Nationalparks Hamburgisches Wattenmeer. Obwohl die Anzahl der brütenden Arten gering ist (auf Neuwerk rund 50 Arten), vermitteln die Seevogelkolonien auf beiden Inseln herausragende Eindrücke. Jährlich werden rund 150 Vogelarten im Gebiet registriert.

 

Voraussetzungen:

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar: ja

Ausrüstung: Spektiv und Fernglas; im Winter warme Bekleidung

Zugänglichkeit der Beobachtungsstellen: auf Neuwerk leicht; längere Wanderung nach Scharhörn, nur kurze Verweildauer dort möglich; Nigehörn darf nie betreten werden


Interessante Arten:

Da die Inseln recht weit vom tieferen Wasser z.B. an der Elbemündung entfernt liegen, sind die für die Nordsee typischen "Winter-Schwimmvögel" und Hochseevögel (fast nur während der Herbststürme) generell eher unregelmäßig zu beobachten. Zu ihnen gehören Sterntaucher, Eissturmvogel, Basstölpel, Mittelsäger, Berg- und Schellente und Schmarotzerraubmöwe (August-Oktober).

Zu den Wintergästen auf den Inseln zählen Sing- (alljährlich) und Zwergschwan (nicht alljährlich), Kornweihe, Rauhfußbussard, Ohrenlerche (v.a. Durchzügler: Ende September-November/ weniger im April-Mai), Bergfink, Berghänfling und Schneeammer. Der Merlin (September und Oktober) und die Waldohreule (März-Mai/ August-November) sind regelmäßige Durchzügler. 

Saat- Kurzschnabel-, Bläss- und Nonnengänse ziehen vornehmlich an den Inseln vorüber und rasten nur selten. Die Ringelgans ist mittlerweile Jahresgast. Die größten Trupps (1500 Tiere) können im zeitigen Frühjahr und im Herbst vor allem im Ostvorland von Neuwerk beobachtet werden. Die Pfeifente ist unter den Enten der häufigste Durchzügler (zeitweise über 3000 Tiere) und überwintert auch in gewisser Anzahl außendeichs (meist 100-150 Tiere). Weitere durchziehende Entenvögel sind Spieß-, Knäk- (sporadischer Brutvogel), Reiher-, Tafel- und Eiderente. Zur Limikolenzugzeit sind folgende Arten regelmäßig zu beobachten (in Klammern Tageshöchstzahlen im Hamburgischen Wattenmeer): Sand-, See-, Kiebitz- (6000) und Goldregenpfeifer, Austernfischer (40.000), Knutt (71.000), Sanderling (10.000), Zwerg-, Sichel-, Meer- (selten) und  Alpenstrandläufer (171.500), Kampfläufer, Zwergschnepfe (September/ Oktober), Bekassine, Waldschnepfe (Ende September-November), Ufer- und Pfuhlschnepfe (10.000), Regen- und Großer Brachvogel (15.000), Dunkler Wasserläufer, Rotschenkel, Grünschenkel, Wald- und Bruchwasserläufer, Flussuferläufer und Steinwälzer (v.a. Mai und August bis Oktober). Bei den in Großbuchstaben geschriebenen Arten übersteigen die Rastbestände im Hamburger Wattenmeer 1% der biogeographischen Population. Die wichtigsten Nahrungsflächen für die meisten Limikolenarten liegen westlich von Neuwerk. Zur Mauserzeit ist die Brandgans in international bedeutenden Beständen im Scharhörner Watt anwesend.

Zu den regelmäßigen Brutvögeln (Brutvogelzahlen: Neuwerk/ Scharhörn aus Seevögel, Hamburg 1999/ Band 20, Heft1) auf den Inseln gehören Brandgans (20/ 26), Löffelente (6/ 0), Wanderfalke auf der Westseite von Neuwerk (1/ 0), Austernfischer (362/ 86), Sandregenpfeifer (13/ 2), Seeregenpfeifer (0/ 1), Rotschenkel (46/ 12), Säbelschnäbler (4/ 0), Heringsmöwe (0/ 130), Flussseeschwalbe (267/ 450), Küstenseeschwalbe (178/ 215), Zwergseeschwalbe (22/14) und Sumpfohreule (unregelmäßig auf Scharhörn). Die Seeschwalbenbestände schwanken von Jahr zu Jahr. So brüten beispielsweise derzeit keine Brandseeschwalben mehr auf Scharhörn.

Auf Nigehörn, dass Ende der 80er Jahre aufgespült wurde, brüten rund 20 Vogelarten. Interessant sind Bodenbruten des Wanderfalken (z.B. 1992) und die Bodenkolonie des Kormorans (seit 1997). Die größten Kolonien werden von Lach- und Silbermöwe sowie von Fluss- und Küstenseeschwalbe gebildet. Weitere Brutvogelarten sind Sumpfohreule, Rotschenkel, Zwergseeschwalbe, Sand- und Seeregenpfeifer, Herings- und Sturmmöwe sowie Brandgans und Eiderente.


Lebensräume: 

ausgedehnte Wattbereiche, Priele, Salzwiesen, Dünen, Grünland, Acker, Gehölze und Gebäude


Information:

http://www.nationalpark-hamburgisches-wattenmeer.de/ hervorragende Seite mit vielen Informationen zu Anreise, Unterkunft, Führungen und vielen Details zum Nationalpark (besonders der "Nationalpark-Atlas Hamburgisches Wattenmeer" ist sehr empfehlenswert).

Allgemein:

http://www.verkehrsinfo-hamburg.de/tourismus/neuwerk.html  

Kurverwaltung Cuxhaven: 04721/ 404-0

Verein Jordsand:

http://www.jordsand.de/

Gezeiten:

http://www.bsh.de/Meereskunde/Gezeiten/805.html

Literatur:

Lemke, W. (1995): Die Vögel Neuwerks 181-1993, Nordseeinsel im Nationalpark "Hamburgisches Wattenmeer" - Hamburger avifaunistische Beiträge , Band 27, "Arbeitskreis an der staatlichen Vogelschutzwarte Hamburg" (Hrsg.)

Schmidt, U. (1988), Vogelinsel Scharhörn, Europareservat im Elbe-Weser-Dreieck - Niederelbe-Verlag, Jordsand Buch 7


Anfahrt:

verändert nach: Landesvermessungsamt Schleswig-Holstein, 2001

Von Cuxhaven aus kann Neuwerk je nach Tide entweder von der „Alten Liebe" aus mit dem Fährschiff MS „Flipper“ oder von Sahlenburg mit dem Wattwagen oder zu Fuß erreicht werden.

Anfragen und Platzreservierungen:

  • Reederei Cassen Eils (MS „Flipper“)
    Bei der Alten Liebe 12, 27472 Cuxhaven
    Tel. 04721/32211, Fax 04721/31161
    e-mail: info@neuwerkreisen.de
    >>>Fahrplan, >>>Preise

    Wattwagenbetriebe:
    o Thomas Fischer
    Tel. 04721/28770, Fax 04721/69300
    o Claus Fock (Inh. Werner Fock)
    Tel. 04721/29043, Fax 04721/29630
    o Volker Griebel
    Tel. 04721/29076, Fax 04721/28277
    >>>Fahrplan

  • Zu Fuß
    Auf dem gekennzeichneten Wattwanderweg kann Neuwerk in etwa 2,5 bis 3 Stunden zu Fuß erreicht werden. Der Weg ist so anzutreten, dass man spätestens zum Niedrigwasser-Zeitpunkt am Ziel angelangt ist. Den Tidekalender sowie ausführliche Tipps für Wattwanderer finden Sie hier zum Download.
    >>>Wanderzeit

Weitere Informationen:

Anfahrt nach Cuxhaven und Sahlenburg: 

Mit der Bahn: Reiseauskünfte / „Fahrziel Natur“

Vom Bahnhof weiter mit Bussen nach Sahlenburg und zur "Alten Liebe": Fahrpläne / aktuelle Busverbindungen für die regulären Buslinien (Cuxhaven 2, 17, 21)

Nach Bedarf wird auch bei der Ankunft der Fähre ein Sonderbus für die Rückfahrt von der „Alten Liebe“ nach Sahlenburg eingesetzt (Mindestbeteiligung 10 Pers.).

Ansonsten stehen für den Transport in Cuxhaven folgende Taxi-Unternehmen zur Verfügung:

  • Taxenruf an der Nordsee, Tel. 04721/36000, 37000, 38000

  • Taxenzentrale Cuxhaven, Tel. 04721/711616

  • NORD-Taxi, Tel. 04721/562818

Anreise mit dem PKW:  Bei kurzzeitigen Aufenthalten kann das Fahrzeug auf den Besucher-Parkplätzen an der Alten Liebe und in Sahlenburg an der Straße „In der Wolskermarsch“ (hier besonderer Bereich für Neuwerk-Besucher) abgestellt werden.

Im Falle längerer Inselaufenthalte organisieren die Neuwerker Vermieter Unterstellmöglichkeiten am Festland. 

 

Beobachtungsmöglichkeiten:

Neuwerk:

Rot eingezeichnet sind die Wege, die offiziell begangen werden dürfen. Das Nordvorland und der Innengroden dürfen frei betreten werden. Die Größe der Insel erlaubt eine Umwanderung in wenigen Stunden (einschließlich Beobachtungszeit). 

- Im Inselkern am Leuchtturm befindet sich das Informationszentrum des Nationalparks Hamburgisches Wattenmeer, dass durch den Verein Jordsand betreut wird (1). Hier können Informationen zu aktuellen Beobachtungen eingeholt werden. 

- Der Innengroden ist vor allem im Frühjahr wegen der Wiesenbrüter interessant (v.a. Austernfischer, Rotschenkel und Kiebitz). Diese brüten vor allem östlich des Mittelweges (2). Bei Flut wird der Innengroden von Limikolen (z.B. Bekassine und Austernfischer), Möwen und Entenvögeln als Rastfläche genutzt (3). Andere Arten suchen den Innengroden als Nahrungsfläche auf. Zu ihnen gehören Goldregenpfeifer, Große Brachvögel, Pfeifenten und Ringelgänse. Die Gehölze bieten zahlreichen Singvögeln wie Gelbspötter, Heckenbraunelle, Gartenrotschwanz oder Gartengrasmücke Lebensraum. Die Gewässer im Innengroden weisen zumeist eine gut entwickelte Ufervegetation auf, so dass hier Arten wie Brandgans, Knäkente oder Teich- und Sumpfrohrsänger zu finden sind. An guten Zugtagen beispielsweise im August oder September können große Mengen durchziehender Kleinvögel zu beobachten sein (z.B. Wiesenpieper, Rotdrossel, Buchfink und Star).

Im Nordvorland brüten Fluss- und Küstenseeschwalben in großer Anzahl (z.B. bei 4). Im Winter sind hier unter anderem Ohrenlerchen zu finden. Am Badehäuschen (5) und dem mit Steinen verbauten Ufer, Buhnen und Lahnungen können Steinwälzer und im Winterhalbjahr Meerstrandläufer sowie gelegentlich meerestypische Arten wie Skua oder Sterntaucher beobachtet werden. Die Stelle ist auch gut, um bei Stürmen nach verdrifteten Vögeln Ausschau zu halten.

Im Ostvorland dürfen nur die mit roten Pfählen markierten Wege begangen werden. Bei 6 hat man einen guten Einblick in den mit Buhnen eingefassten Wattbereich. Hier kann eine Vielzahl von Limikolen (z.B. Brachvögel und Pfuhlschnepfen) und Entenvögeln rastend beobachtet werden. Im gesamten Bereich des Ostvorlandes befinden sich größere Seevogelkolonien (z.B. Lachmöwen, Austernfischer, Silbermöwen), die von den Wegen aus eingesehen werden können. Im Bereich der Ostschleuse (7) können ebenfalls oft interessante Beobachtungen gemacht werden (Limikolen, im Winter Taucher und Enten). 

Scharhörn

Auch die Insel Scharhörn wird vom Verein Jordsand betreut. Auf ihr wohnt ein Vogelwärter. Er empfängt jeden Besucher (nur mit vorheriger Anmeldung am Infozentrum auf Neuwerk 1 oder per Telefon unter 04721/28594 oder /28594). Gäste dürfen nicht während einer Flut auf der Insel verweilen und nur bis zum Vogelwärterhaus laufen. Die Beobachtungszeit ist daher recht kurz, denn man muss ja noch innerhalb eines Niedrigwassers zumindest von Neuwerk nach Scharhörn und zurück laufen. Dennoch genügt ein kurzer Besuch, um die Stimmung in der Seevogelkolonie (Fluss-, Küsten- und Zwergseeschwalben, Herings-, Lach- und Silbermöwen sowie Austernfischer, Sandregenpfeifer und Rotschenkel) zu erleben. Auf dem Weg zwischen Neuwerk und Scharhörn kann man mit einem Fernglas oft Seehunde und Kegelrobben auf der Hundebalje entdecken (siehe Übersichtskarte).

Nigehörn darf nicht betreten werden.


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