Die "Großtrappenschutzgebiete"

Havelländisches Luch und Belziger Landschaftswiesen

  

Christoph Moning

Um 1939 lebten vor allem in Brandenburg, Mecklenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen noch etwa 4000 Großtrappen. Während des zweiten Weltkrieges verminderten sich die Bestände auf rund 2000 Tiere und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verschwanden in Deutschland die meisten Großtrappengruppen. 1997/98 wurden nur noch 50-55 Großtrappen erfasst. Mittlerweile (2004) sind es wieder rund 90 Tiere. Aktuell gibt es drei Gruppen mit regelmäßiger Fortpflanzung in folgenden Gebieten: Havelländisches Luch, Belziger Landschaftswiesen und Fiener Bruch.  

Seit Anfang der 1970er Jahre gibt es in Brandenburg ein staatliches Schutzprojekt zur Rettung der Großtrappen.

Das Havelländische Luch ist ein rund 5.600 ha großes Europäisches Vogelschutzgebiet (SPA). Es stellt einen repräsentativen Ausschnitt aus dem heute relativ intensiv landwirtschaftlich genutzten Havelländischen Luch dar in dessen westlichen Teil es liegt. Seit 1990 halten Staueinrichtungen im Winter und Frühjahr Wasser zurück, so dass 200 bis 300 ha temporär überschwemmt und 1.000 bis 1.500 ha vernässt werden. Dadurch entstehen alljährlich wichtige Rast- und Brutplätze für Limikolen, Enten und Rallen.

Die Belziger Landschaftswiesen sind ein rund 4.450 ha großes Vogelschutzgebiet. Dieses bildet eine große, fast waldfreie Einheit offener Grünland- und Ackerflächen, die weder von Siedlungen und Straßen noch von Leitungen zerschnitten wird. Die Belziger Landschaftswiesen sind ein wichtiges Brut- und Rastgebiet für eine Reihe von in Europa bestandsgefährdeten Vogelarten. Insgesamt 170 Arten wurden registriert, darunter 110 Brutvogelarten! 

 

Voraussetzungen:

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar: zum Teil

Ausrüstung: Spektiv und Fernglas

Zugänglichkeit der Beobachtungsstellen: Viele der Wege durch die Gebiete sind für die Öffentlichkeit gesperrt. Für die Großtrappenbeobachtung sollte im Herbst eine Führung verabredet werden (Adresse unten). Zur Balzzeit: Beobachtungsturm bei Buckow.


Interessante Arten:

Havelländisches Luch

Die Großtrappe hat im Havelländischen Luch mit 34-35 Tieren einen der größten Bestände innerhalb Deutschlands. Das Gebiet ist seit 1976 Großtrappenschongebiet und seit 1979 werden hier aus Menschenhand großgezogene Trappen ausgewildert. 

Der Bestand der Wiesenbrüter ist bedeutend, schwankt aber mit dem jährlichen Grad der Vernässung. Folgende Arten brüten im Gebiet: Großer Brachvogel (8-10 Paare), Kiebitz (30-50 Paare), Uferschnepfe (2- 4 Paare), Rotschenkel (2-4 Paare), Bekassine (15-20 Paare), Kampfläufer (1-2 Brutverdacht), Tüpfelralle (5 rufende Männchen) und Wachtelkönig (rund 5 rufende Männchen). Brutvogelarten, die hier in hohen Dichten brüten sind Waldohreule (brütet mit 0,7 Paaren pro Km² sehr dicht), Braunkehlchen (230 bis 280 singende Männchen), Grauammer (60-70 singende Männchen) und Neuntöter (70-90 Paare). Weitere interessante Brutvogelarten sind Weißstorch (4-6 Paare), Knäk- (8-12 Paare) und Löffelente (3-6 Paare), Kranich (1-2 Paare), Rotmilan (3-4 Paare), Wiesenweihe, Baumfalke (1-2 Paare), Rebhuhn (20-40 Paare), Wachtel (15-30 rufende Tiere), Raubwürger (1-2 Paare), Sperbergrasmücke (8-12 Paare) und Ortolan (25-35 Paare). Der Steinkauz hat hier eines seiner letzten Brutgebiete in Brandenburg (3-6 Paare). 

Als Zug-, Nahrungs- und Wintergäste können Weißstorch, Pfeifente (max. 300), Spießente (max. 80), Sing- (max. 40) und Zwergschwan (max. 85), Saat- und Blässgans (bis 20.000), Kranich (bis1.000), Kiebitz (bis 6.000), Goldregenpfeifer (bis 3.000), Seeadler, Korn- und Wiesenweihe sowie Merlin und Rauhfußbussard beobachtet werden.

Immer wieder besuchen auch seltenere Arten wie Schreiadler, Wander- und Rotfußfalke, Wiedehopf oder Schnee- und Spornammer das Gebiet.

Belziger Landschaftswiesen: 

Neben den herausragenden Brutvogelarten Großtrappe (rund 20 Tiere) und Steinkauz (1-2 Paare) brüten auch Uferschnepfe (0-1 Paar), Großer Brachvogel (24-28 Paare), Bekassine, Knäk- und Löffelente, Rebhuhn, Baumfalke (1-2 Paare), Sumpfohreule (sporadisch), Heidelerche (3-4 Paare) und Braunkehlchen (120-180! Paare) im Gebiet. Auch Wiesenweihen wurden gelegentlich zur Brutzeit beobachtet. An den Rändern des Gebietes kommen Kranich, Weiß- (8-10 Paare) und Schwarzstorch sowie Fischadler vor. 

Im Frühjahr und Herbst können nordische Gänse, Limikolen und Kraniche (max. 250) im Gebiet beobachtet werden. Zu dieser Gruppe zählen unter anderem Saat- und Blässgänse (max. 15.000), Goldregenpfeifer (max. 1.000), Kiebitze (max. 6.000), Bruchwasserläufer (max. 150) und Bekassinen (max. ca. 150).

See- (max. 4) und Fischadler sowie Korn- und Wiesenweihe sind Nahrungsgäste. Merlin, Rauhfußbussard und Raubwürger zählen zu den Überwinterern. Genau so die Kornweihe, die in den Belziger Landschaftswiesen einen bedeutenden Schlafplatz besitzt (max. 25).

Quelle: Litzbarski (1998); Bestandszahlen: 1993-97

 

Lebensräume: Große Grünländer und Akerschläge; breite Ackerrandstreifen, Wäldchen, Hecken und Baumreihen

 

Information:

Vogelschutzwarte Buckow (Havelländisches Luch)

Anmeldung: Förderverein Großtrappenschutz e.V.

Dorfstr. 34

14715 Buckow bei Nennhausen

Tel. 033878 60257; Fax 033878 60600

Email: bustard@t-online.de

Info-Zentrum Belziger Landschaftswiesen

Anmeldung: Förderverein Großtrappenschutz e.V.

Im Winkel 13

14806 Baitz

Tel. 033841 30220

Sprechzeit: Dienstag 7:30 bis 18:00 Uhr

Info-Zentrum Fiener Bruch

Anmeldung: Landesbeauftragter für Naturschutz, Thomas Bich

Winkelstr. 10a

39307 Tuchheim

Tel. 039346 40586; 0173 8757128

Spendenkonto:

Mittelbrandenburgische Sparkasse Potsdam

Konto-Nr. 3859192085

BLZ 160 500 00

Internet: 

www.grosstrappe.de 

 

Anfahrt:

 

Quelle: Förderverein Großtrappenschutz e.V.: Faltblatt "Projekt Großtrappe"

Mit der Bahn: Das Schutzgebiet Havelländisches Luch ist vom Bahnhof Nennhausen (Strecke Berlin-Rathenow) gut zu erreichen.

Mit dem PKW: 

Havelländisches Luch: Von Norden oder Berlin auf der B 5, Abfahrt Richtung Retzow, Barnewitz, Garlitz, Buckow; Von Westen auf der B 188 über Rathenow nach Stechow, dort Abfahrt nach Nennhausen, Buckow; Von Süden und Westen z.B. von der A 2 Abfahrt Brandenburg, auf der B 102 bis Pritzerbe, dort Richtung Marzahne, Garlitz, Buckow.

 

Beobachtungsmöglichkeiten:

Für die Großtrappenbepbachtung benötigt man mindestens ein gutes Fernglas und wenn man selber sucht, Ausdauer und Glück. Im Winter halten sich die Trappen in kleinen Gruppen vor allem auf Rapsäckern auf. Zur Balzzeit von Mitte März bis Mitte Mai konzentrieren sich die scheuen Tiere im Zentrum des Havelländischen Luchs und den Belziger Landschaftswiesen. Die Sommermonate sind zur Großtrappenbeobachtung sehr ungünstig, weil die Tiere dann sehr heimlich leben und trotz ihrer Größe in der hohen Vegetation kaum zu sehen sind. In den Schutzgebieten ist es dem Besucher nicht erlaubt, die gesperrten Wege zu befahren oder zu betreten, sowie die öffentlichen Wege zu verlassen. Daher ist es am einfachsten, einen Termin für eine Führung mit den Mitarbeitern der Schutzstationen vor Ort auszumachen (Adressen unter dem Abschnitt "Informationen" oben). Man wird sehr zuvorkommend behandelt und umfassend informiert. Auch die Führung von Einzelpersonen ist möglich. Am Besten, man revanchiert sich durch reichliche Spenden.

Das Info-Zentrum zum Havelländischen Luch befindet sich in der Vogelschutzwarte Buckow (siehe Karte). Etwa zwei Kilometer südlich, nahe Garlitz, stehen direkt im Balzgebiet zwei gut erreichbare und geräumige Beobachtungstürme. Sie sind vor allem zur Balzzeit zwischen Mitte März und Mitte Mai attraktiv. 

Quelle: Förderverein Großtrappenschutz e.V.: Faltblatt "Projekt Großtrappe"

In den Belziger Landschaftswiesen liegt der Beobachtungsturm am Nordrand des Schutzgebietes, zwei Kilometer südlich Freienthal.


 

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