Der Federsee und Umgebung

  

Christian Wagner und Christoph Moning

Stand: März 2004

 

Nordöstlich von Bad Buchau, zwischen Biberach und Riedlingen, liegt das größte Moorgebiet Baden-Württembergs, das Federseegebiet. Es ist "Europareservat" und "Europäisches Vogelschutzgebiet". Bedeutung hat das Federseebecken vor allem für Schilfbewohner wie Rohrschwirl und Bartmeise, die sonst in Baden-Württemberg nur noch im Waghäusel und im Wollmatinger Ried vorkommen, sowie für viele Offenland-Arten. Es wurden bisher etwa 265 Vogelarten, darunter 107 Brutvogelarten nachgewiesen.

 

Voraussetzungen:

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar: Ja, wenn man den See umrunden möchte, ist ein Fahrrad von Vorteil

Ausrüstung: Fernglas und Spektiv

Zugänglichkeit der Beobachtungsstellen: Verschiedene Wanderungen von 3 bis 16 km Länge, die größtenteils auch mit dem Fahrrad möglich sind


Interessante Arten:

Die günstigste Zeit ist zwischen April und Juni, wenn Wachtel, Wachtelkönig, Bekassine, Großer Brachvogel, Wiesenpieper, Schafstelze und Braunkehlchen (>220 BP) in den Wiesen und Rohrweihe (18 BP, das entspricht 2/3 des baden-württembergischen Brutbestands), Wasserralle, Blaukehlchen (1-5 BP), Schilfrohrsänger, Rohrschwirl und Bartmeise (1990–1995, 42–88 BP) im Schilf brüten. Der Weißstorch ist regelmäßiger Nahrungsgast. Rotmilan, Schwarzmilan und Baumfalke brüten in wenigen Paaren im Gebiet.

Im Winter sind Kornweihe (wichtigster Schlafplatz in Süddeutschland), Merlin und Raubwürger regelmäßige Gäste im Federseegebiet.

Weitere interessante Arten sind: Rohrdommel (regelmäßiger Wintergast und Durchzügler), Zwergdommel (letzte Brut 1999, im Durchzug noch regelmäßig), Kleines und Tüpfelsumpfhuhn (unregelmäßige Brutvögel), Flussseeschwalbe, Klein-, Grau- Grün- und Schwarzspecht, Baumpieper, Schwarzkehlchen, Waldlaubsänger, Feldschwirl und Neuntöter.


Lebensräume:

Noch in der Eiszeit bedeckte ein See die Fläche von mehr als 3.000 Hektar. Heute ist der Fedrsee nur noch 130 Hektar groß und 1,5 bis 1,8 m tief. Er ist von einem breiten Übergangsmoor- und Feuchtgrünlandgürtel umgeben. Habitate sind urwüchsige Moorwälder, weitläufige Feuchtwiesen, ausgedehnte Schilfröhrichte und Flachwasserbereiche. Der Federsee hat kaum Schlickflächen und ist daher für den Limikolenzug wenig interessant.


Information:

NABU Naturschutzzentrum Federsee

Federseeweg 6

88422 Bad Buchau

Tel: 07582 / 1566

Fax: 07582 / 1778

e-mail: NABU_Federsee@t-online.de

http://www.nabu-federsee.de/index.html

Umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit inklusive regelmäßiger Führungen

 

Literatur:

Galli Verlag (Hsg.): Rad- und Wanderkarte Bad Buchau am Federsee - 1:25.000, erhältlich zum Beispiel im Naturschutzzentrum

Karte: Topographische Karte Nr. 7922 Saulgau 1:50000 oder Rad- und Wanderkarte Bad Buchau am Federsee 1:25000.

Günzl, H. (1983): Das Naturschutzgebiet Federsee: Geschichte und Ökologie des größten Moores Südwestdeutschlands. – Führer Natur- und Landschaftsschutzgebiete Baden-Württemberg 7, SS. 1-115.

Hölzinger J. (1997): Die Vögel Baden-Württembergs Band 3.2: Singvögel 2. – Eugen Ulmer, Stuttgart

NABU: Die Vögel des Federseemoors - Artenliste, Broschüre erhältlich zum Beispiel im Naturschutzzentrum


Anfahrt:

Mit der Bahn und dem FahrradMan fährt bis Aulendorf oder Bad Schussenried, von dort aus geht es jeweils mit dem Bahnbus nach Bad Buchau weiter. Der Bäderbus (Bahnbüro Bad Buchau: 07582/93360, Mo-Fr 9.00-12.00 Uhr) fährt 2-3 Mal täglich direkt von Stuttgart aus. www.bahn.de

Mit dem AutoÜber die A 8 geht es bis Ulm West. Von dort nimmt man die B 30 Richtung Friedrichshafen, Ausfahrt Biberach. Ab hier folgt man der Ausschilderung nach Bad Buchau. Naturschutzzentrum und Federseemuseum liegen nördlich der beiden Kirchen und sind ausgeschildert.

 


Beobachtungsmöglichkeiten:

Federseesteg (1)

Dieser 1,5 km lange, kostenpflichtige Weg beginnt am Parkplatz Federseemuseum und führt in umgekehrter Reihenfolge durch die typische Verlandungsabfolge von Feuchtwiese, Streuwiese, Niedermoor und ausgeprägte Schilfzone des Übergangsmoores bis zur Plattform am Rand des Offenwassers. Entlang des Holzsteges können fast alle der oben genannten Wiesenbrüter beobachtet werden. Vor allem für die Schilfbewohner ist der Steg der beste Ort. In der Nacht singt der Wachtelkönig aus den nassen Wiesen. Am Ende des Weges hat man einen guten Blick auf den See und eine Flussseeschwalbenkolonie. Der Federseesteg ist der einzige Zugang zu den ausgedehnten Schilfflächen und zum See. Man sollte ihn aufgrund der Besuchermassen so früh wie möglich gehen.

 

Rund um den Federsee

Auch diese Wanderung beginnt am Parkplatz Federseemuseum. Mit der 16 km langen aber lohnenden Rundtour bekommt man einen guten Überblick über die Avifauna des Federseebeckens. Man macht die Runde am besten mit dem Fahrrad (zu Fuß wären es 4 bis 5 Stunden Gehzeit). Das Banngebiet Staudacher (2) (Spechte, Baumpieper) und die Wiesen östlich des Federseemuseums (3) (Wiesenbrüter) sind gut vom Federseemuseum aus erreichbar. Man folgt auf dem Weg dem Wanderzeichen „Federseerundweg 4“.

Vom Federseemuseum geht es Richtung Westen und nach 300 m rechts auf den "Oberförter-Staudacher-Weg": Der Weg überquert die Kanzach und führt auf einem Holzsteg durch das Banngebiet Staudacher, einem urwüchsigen Bruchwald mit Birken, Kiefern und Fichten (2) nach Moosburg. In Moosburg an einen großen Baum mit Wegzeichen geht es nach rechts zum Gehöft Brackenhofen. Dort geht es links den Berg hinauf zu einem Aussichtspunkt über die weite Federseesenke (4). Weiter geht es nach Norden zu einer Straße, der man ein Stückchen folgt bis man einen Weg nimmt, der rechts durch Kulturland nach Alleshausen führt. Weiter geht es auf dem Kirchweg durch weite Riedwiesen (5) nach Seekirch und Tiefenbach (Aussichtsplattform (6)). Nahe des Schilfgürtels führt der Rundweg über Oggenhausen zurück nach Bad Buchau. Vor Bad Buchau bieten die Wiesen auf der rechten Seite Lebensraum für Wiesenbrüter (3)

 

Nördliches Federseeried (5)

Das nördlich der Gemeinden Alleshausen und Seekirch gelegene neue Naturschutzgebiet "Nördliches Federseeried" ist mit seinen moortypischen Feucht- und Nasswiesen Brutplatz für Braunkehlchen, Wachtel, Schafstelze und Feldlerche sowie Nahrungsbiotop für den Weißstorch und die Rohrweihe. Am Besten erkundbar ist das Nördliche Federseeried von der Straße zwischen Alleshausen und Seekirch und den abzweigenden Feldwegen aus.

 

Südliches Federseeried (7)

Das südliche Federseeried ist ein interessantes Gebiet für Wiesenbrüter und man hat gute Chance Rot- und Schwarzmilan zu sehen. Ausgangspunkt ist wieder der Parkplatz Federseemuseum oder der Parkplatz am Freibad (8). Die Gesamtstrecke umfasst 9,5 km vom Federseemuseum beziehungsweise zirka 6 km vom Freibad aus. Ein archäologische Moorlehrpfad führt durch das südliche Federseeried zu bedeutenden stein-, bronze- und eisenzeitlichen Fundstätten. Auf dem Rundweg durch die Riedwiesen passiert man mehrere archäologisch orientierte Aussichtsplattformen mit guter Rundsicht.

 

 

Blick in die Umgebung:

Wurzacher Ried, Rohrsee und Pfrunger-Burgweiler Ried

Eingebettet in die hügelige Moränenlandschaft des Voralpenlandes erstreckt sich im Norden von Bad Wurzach die größte intakte Hochmoorfläche in Mitteleuropa, das Wurzacher Ried (1813 ha). Nach der Meldeliste der baden-württembergischen Natura 2000-Gebiete sind Grau-, Mittel- und Schwarzspecht sowie Wachtelkönig, Ziegenmelker, Bekassine, Berglaubsänger, Drosselrohrsänger, Knäk-, Krick- und Löffelente, Wasserralle, Zwergtaucher und Baumpieper Brutvögel des Gebietes.

Zirka 20 km gezeichnete Wanderwege erschließen das Wurzacher Ried. Weitere Informationen werden auf der Homepage des Naturschutzzentrums bereitgestellt (siehe unten). Dort ist auch Kartenmaterial erhältlich.

Der Rohrsee liegt zirka 6 km beziehungsweise 10 Autominuten südöstlich von Bad Wurzach. Er ist zusammen mit dem Wollmatinger Ried und dem Federsee eines der bedeutendsten Vogelschutzgebiete Süddeutschlands. Bis 2002 wurden am Rohrsee 239 Vogelarten nachgewiesen; davon 84 Arten regelmäßig und 11 Arten unregelmäßig brütend. Daneben erfüllt der Rohrsee die Bedingungen für ein Rastgebiet von internationaler Bedeutung (Schnatterente). Es brüten am Rohrsee folgende interessante Arten:  Schwarzhalstaucher (1996-2001: 8-70 BP), Zwergdommel (Brutverdacht 2000-2002), Schnatterente (1991-2002: 1-4 BP, max. 1050 Individuen im Herbst), Tafelente (Brut 2001 und 2002), Reiherente (alljährlicher Brutvogel), Rotmilan (alljährlicher Brutvogel), Wasserralle (wohl alljährlicher Brutvogel),  Kiebitz (1994-2002: 1-4 BP), Schwarzkopfmöwe (2000-2002: Brutzeitbeobachtungen), Rohrschwirl (2000-2002 wahrscheinlich brütend),  Drosselrohrsänger (1993-2002: 3-11 BP). Die Bartmeise ist regelmäßiger Gast am Rohrsee.

Zum Rohrsee gelangt man, wenn man von Bad Wurzach der L 317A (Richtung Wolfegg) bis Rohrbach folgt und auf einem rechts abbiegenden Sträßchen zu dem Örtchen Rohr fährt (im Mai hier oft Rotfußfalken). Fast direkt am See ist ein Parkplatz. Man kann den See auch in einiger Entfernung auf kleinen Straßen umrunden (http://home.t-online.de/home/gerhard.lang.wangen/rohr_res.htm ).

 

5 km südwestlich des Federsees, zwischen Ostrach im Norden und Wilhelmsdorf im Süden liegt das Pfrunger-Burgweiler Ried, das mit einer Gesamtausdehnung von 2600 Hektar nach dem Federsee das zweitgrößte zusammenhängende Moorgebiet Baden-Württembergs ist. Man findet vor allem Grünland, kleinere Hoch-, Zwischen- und Niedermoorbereiche, durch Torfabbau entstandene Wasserflächen und einzelne mineralische Inseln vor. Das Pfrunger-Burgweiler Ried ist ein Rastgebiet von internationaler Bedeutung. Insgesamt wurden bis 1991 211 Vogelarten (davon 115 Brutvogelarten) nachgewiesen. Es hat bedeutende Vorkommen von Zwergtaucher (jeweils 1991/1992: 10 BP), Weißstorch (2 BP), Krickente (10-20 BP), Reiherente (17-20 BP), Rohrweihe (max. 3 BP), Rotmilan (im Randbereich), Wasserralle (10-15 BP), Tüpfelralle (1-2 BP), Bekassine (2 BP), Flussseeschwalbe (2 BP), Teichrohrsänger (50 BP), Braunkehlchen (brütet nicht mehr) und Weidenmeise (100-150 BP). Im Winter lassen sich regelmäßig Raubwürger (Straße zwischen Wilhelmsdorf und Lindenhof) und Kornweihe beobachten. Weitere nach der Meldeliste der baden-württembergischen Natura 2000-Gebiete im Pfrunger-Burgweiler Ried vorkommende Brutvögel sind Eisvogel, Schwarz- und Grauspecht, Neuntöter, Schwarzmilan, Wespenbussard und Baumfalke

Da im Rahmen eines "Naturschutzgroßprojektes  des Bundes für Gebiete mit gesamtstaatlich-repräsentativer Bedeutung" im Pfrunger-Burgweiler Ried gerade ein Besucherlenkungskonzept erstellt wird und sich somit in Kürze die Zugänglichkeit ändern wird, sollte vor einem geplanten Besuch des Rieds auf jeden Fall das SHB-Naturschutzzentrum in Wilhelmsdorf kontaktiert werden. Frau Wilhelm, die dankenswerter Weise diesen Text korrigierte, wird dabei gerne weiterhelfen.

Information:

Naturschutzzentrum Bad Wurzach

Rosengarten 1

88410 Bad Wurzach

Tel. 07564 - 93120

Fax 07564 - 931222

Email: Naturschutzzentrum@Bad-Wurzach.de

Internetseite: http://www.naturschutzzentren-bw.de/badwurzach/home.htm

 

Naturschutzzentrum Pfrunger-Burgweiler Ried des Schwäbischen Heimatbundes

Riedweg 3

88271 Wilhelmsdorf

Telefon: 07503/739

Fax: 07503/91495

Email: naz@schwaebischerheimatbund.de

Internetseite: www.schwaebischer-heimatbund.de

Literatur:

Lohmann, M. und Haarmann, K. (1989): Vogelparadiese Band 2 Süddeutschland. - Paul Parey, Hamburg und Berlin

Hund, Karl & Zier, Lothar (1974): Die Vogelwelt des Pfrunger Riedes und seiner näheren Umgebung. Jh. Ges. Naturkde. Württemberg, 129

Wagner A. und Wagner I. (1996): Pfrunger-Burgweiler Ried, Pflege- und Entwicklungsplan - Beihefte zu den Veröffentlichungen für Naturschutz und Landschaftspflege in Baden-Württemberg 85, S. 1-304

Zier, Lothar (1998): Das Pfrunger Ried. Führer Natur- und Landschaftsschutzgebiete Bad.-Württ. 10 (2. Aufl.) Hrsg. Schwäbischer Heimatbund, Stuttgart (ISSN 0344-6344), zu beziehen im SHB-Naturschutzzentrum, Wilhelmsdorf oder über die Homepage.

Natura 2000 Gebiete in Baden-Württemberg: http://www.mlr.baden-wuerttemberg.de/mlr/natura2000neu/start.htm

Heine, G., Bommer, K., Hölzinger, J., Lang, G., Ortlieb, R. (2001): Die Vogelwelt des Rohrsees Naturschutzgebiet „Vogelfreistätte Rohrsee“ Landkreis Ravensburg. – Ornithologische Jahreshefte für Baden-Württemberg Band 17, Sonderheft, Seiten 1-215


 

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