NSG Eriskircher Ried

  

Christian Wagner 

Stand: März 2004

 

Das östlich von Friedrichshafen gelegene, 552 Hektar große und seit 1939 geschützte Naturschutzgebiet „Eriskircher Ried“ ist nach dem Rheindelta das größte und wertvollste Naturschutzgebiet am Obersee des Bodensees und - vor allem wegen der vorgelagerten geschützten Flachwasserzone - ein Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung für überwinternde Wasservogelarten. Bekannt ist das Eriskircher Ried auch wegen seiner beeindruckenden Schwertlilienblüte von Mitte Mai bis Mitte Juni. Bisher wurden über 280 Vogelarten nachgewiesen. Das Gebiet kann aber mit dem Wollmatinger Ried oder dem Rheindelta aus ornithologischer Sicht nicht konkurrieren.

 

Voraussetzungen:

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar: Sehr gut

Ausrüstung: Fernglas und Spektiv

Zugänglichkeit der Beobachtungsstellen: Zum Teil längere Wege; eine ausgedehnte Wanderung ist möglich

 

Interessante Arten:

Besondere Bedeutung hat das Naturschutzgebiet Eriskircher Ried als Brut- (max. 100 BP) und Mauserplatz (1500 Ind.) für den Haubentaucher

Bei einem Wasserstand unter 350 cm (Pegel Konstanz) werden die entstehenden Schlickflächen vor allem im Frühjahr und Herbst für Watvögel sehr interessant (2003: Graubruststrandläufer). Die ruhigen Flachwasserzonen werden von Entenvögeln als Mauser-, Rast- und Überwinterungsplatz genutzt. Insbesondere für Sing- und Zwergschwan hat das Gebiet am Bodensee eine hohe Bedeutung. Reiher (einschließlich Nacht-, Purpur-, Seiden- und Silberreiher), Schwarzkopfmöwen, Zwergmöwen und Brandseeschwalben (selten) findet man vor allem im Sommerhalbjahr. Stern- und Prachttaucher, Samtente und Eiderente sind im Winterhalbjahr regelmäßig anzutreffen. Rothalstaucher, Schwarzhalstaucher, und Brandgans halten sich das ganze Jahr über im Gebiet auf.

Am Bodensee kanalisiert sich der südwärts gerichtete herbstliche Breitfrontzug, so dass im Eriskircher Ried im Herbst ziehende Vögel in großer Anzahl auftreten. Resultat sind große Zahlen von häufigen Arten, aber auch der Nachweis vieler seltenerer Durchzügler. Im Eriskircher Ried werden seit 25 Jahren im Herbst planmäßig Zugvogelbeobachtungen durchgeführt.

Als Brutgebiet hat das Eriskircher Ried eine geringere Bedeutung. Kolbenente (max. 3 BP), Reiherente, Schwarzmilan, Baumfalke und Wasserralle (max. 10 BP) brüten regelmäßig im Naturschutzgebiet. Ebenso brüten Flussuferläufer und Eisvogel (max. 2 BP). Mit etwas Glück findet man Grau-, Grün- und Kleinspecht oder den Pirol. Auch vier Grasmückenarten sind in den gebüschreichen Riedwiesen vertreten. Unregelmäßig oder nur in Einzelpaaren brüten Schnatter-, Knäk- und Tafelente, Flussseeschwalbe, Schwarzkehlchen, Trauerschnäpper, Gartenrotschwanz, Neuntöter und Drosselrohrsänger.

Leider ist die Liste der ausgestorbenen Brutvögel sehr lang. Hierzu gehören Hohltaube, Steinkauz, Wiedehopf, Feldlerche, Baumpieper, Schafstelze, Gartenrotschwanz oder Rotkopfwürger. Auch Kiebitz und Bekassine sind als Brutvögel der Riedwiesen ausgestorben, können aber das ganze Jahr über oder zur jeweils entsprechenden Jahreszeit beobachtet werden.


Lebensräume:

Streuwiesen, Au- und Bruchwälder, die Flüsse Rotach und Schussen mit ihren Altwassern und Mündungsbereichen, Uferzonen und Schilfröhrichte. Seit 1983 ist auch die zirka 3 Km² große vorgelagerte Flachwasserzone unter Schutz gestellt. 


Information:

Stiftung Naturschutzzentrum Eriskirch

Bahnhofstr. 24

88097 Eriskirch

E-Mail: info@naz-eriskirch.de

www.naz.eriskirch.de 

  

Das Naturschutzzentrum befindet sich direkt am Bahnhof. Dort findet man auch eine ansprechende Ausstellung zum Eriskircher Ried (Eintritt frei).

Es werden regelmäßig Führungen angeboten.

  

Literatur:

Bertsch, K. (1941): Das Eriskircher Ried. – Veröff. württ. Landesstelle Naturschutz, 17, Seiten 57-147

Winterhoff, W. (1993): Die Pflanzenwelt des NSG Eriskircher Ried am Bodensee. – Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.-Württ., 69, Seiten 1-280


Anfahrt:

Mit der Bahn und dem Fahrrad: Der nächste Bahnhof ist Eriskirch. Die unten vorgestellte Rundwanderung ist etwa 15 km lang. Man kann sie von der Rotachmündung (Friedrichshafen-Jugendherberge) zum Naturschutzzentrum (Eriskirch-Bahnhof) mit dem Bus abkürzen. Ein ausgeschilderter Fahrradweg führt durch das Schutzgebiet, aber nicht direkt zu den Aussichtspunkten.

Bahnverbindungen: http://www.bahn.de/pv/view/index.shtml

Busverbindungen: http://www.efa-bw.de/nvbw/index.htm 

Mit dem Auto: Eriskirch liegt knapp 6 km südöstlich von Friedrichshafen direkt an der B 31. In Eriskirch beginnt die Wanderung am Bahnhof (=Naturschutzzentrum) rechts der Hauptstraße. Weitere Parkmöglichkeiten sind an der Rotach- und Schussenmündung (siehe Karte).

 

Beobachtungsmöglichkeiten:

Gute Möglichkeiten zur Vogelbeobachtung im Gebiet bieten vor allem zwei Plattformen am Ufer des Bodensees (1,2), das Strandbad (3), die Mündungen der Flüsse Rotach (4) und Schussen (5) sowie der Unterlauf der Schussen.

Der im folgenden vorgestellte Rundweg beginnt am Naturschutzzentrum Eriskirch und ist im Uhrzeigersinn beschrieben (orange). Parkplätze, von denen einzelne Beobachtungspunkte direkt angelaufen werden können, sind in der Karte ebenfalls gekennzeichnet.

Vom Naturschutzzentrum aus führt der Weg entlang der Bahnlinie und unter dieser hindurch nach Südosten bis zur Schussen. Vor der Schussen rechts abbiegend erreicht man entlang des Flusses durch Auwald eine Brücke über die Schussen (6). Im Auwald singen im Sommerhalbjahr Pirol und Gelbspötter. Man überquert den Fluss und gelangt seewärts zur Schussenmündung (5). Hier halten sich zu den Zugzeiten bei niedrigem Wasserstand viele nahrungssuchende Watvögel auf. Im Winter ist dies auch ein guter Platz für die Singschwäne, die sich jedoch oft zusammen mit Zwergschwänen auch in den anderen Abschnitten des Eriskircher Rieds aufhalten. Der Rundweg geht zurück zur Schussenbrücke (6) und folgt dann dem Seeufer (nicht rechts zurück) durch Streuwiesen mit Feldschwirl und Sumpfrohrsänger zum Strandbad (3) (Stichweg nach links). Der Weg verläuft in diesem Bereich auf einem Lehrpfad und man kann hier Ende Mai die beeindruckende Schwertlilieblüte genießen. Am Strandbad lohnt sich der Blick über die Wasserflächen (im Winter regelmäßig Seetaucher). Zurück auf dem Hauptweg, wandert man immer parallel zum Seeufer nach Norden und erreicht 1,5 km nach dem Strandbad über einen kurzen Stichweg die Beobachtungsplattform „Altes Strandbad“ (2). Im Sommer halten sich hier Seeschwalben und im Winter viele Wasservögel auf. Wenige hundert Meter weiter, nach dem Gasthaus „Seedole“ in Seewiesenesch, ist auf der linken Seite die zweite Beobachtungsplattform zu finden (1). Hier lassen sich ziehende, rastende und überwinternde Wasservögel beobachten. Nicht Richtung Bahnlinie, sondern parallel zum Seeufer nach Nordwesten gehend, überquert man ein Altwasser der Rotach mit ausdehnten Schilffeldern. So gelangt man schließlich zur Rotachmündung (4), wo im Mündungsbereich und im Freiwasser regelmäßig Seeschwalben und Limikolen beobachtet werden können. Die Rotachmündung war bisweilen auch der beste Platz für Bestimmungsübungen an Großmöwen (Steppen-, Mittelmeer-, Silber-, Herings- und selten auch Mantelmöwe).

Der Rückweg zum Naturschutzzentrum erfolgt entweder mit dem Bus oder zu Fuß entlang der Bahnlinie durch Wiesen und Streuwiesen nach Eriskirch (siehe Karte).

Wer noch Zeit hat, kann in Friedrichshafen nach Seetauchern und Möwen Ausschau halten.


 

Bodenseekarte                Hauptseite


_E-Mail: info@birdinggermany.de_