Der Ammersee

  

Christoph Moning unter Mithilfe von

Christian Wagner

Stand: März 04

 

Der Ammersee ist ornithologisch gesehen der "kleine Bruder" des Starnberger Sees, er bietet eine ähnlich interessante Auswahl an rastenden und überwinternden Arten. Hinzu kommen ausgedehnte Verlandungs- und Niedermoorbereiche im Süden (Ammermoos) und Norden (Ampermoos) sowie artenreiche Laubwaldbestände im Westen des Sees. 

Ammersee bei Wartaweil; Blick auf das Zugspitzblatt

Voraussetzungen:

Mit öffentlichen Verkehsmitteln erreichbar: Ja, wenn mit Fahrrad kombiniert

Ausrüstung: Spektiv und Fernglas

Zugänglichkeit der Beobachtungsstellen: leicht; am Südende des Sees müssen jedoch wenige Kilometer zu Fuß zurückgelegt werden


Interessante Arten:

Interessante Brutvögel sind vor allem im südlichen Teil des Gebietes zu finden. Eine Kormorankolonie liegt am Südufer des Sees (rund 50 Paare). Gänsesäger brüten vereinzelt im Bereich des Ammerdeltas, während der Schwarzmilan alljährlich in ein bis zwei Paaren vorkommt. Der Rotmilan ist im Sommerhalbjahr im Bereich der Raistinger Wiesen zu finden, wo auch Wiesenbrüter wie Kiebitz und Brachvogel die Stellung halten. Sporadisch brüten Mittelmeer- und Schwarzkopfmöwen zwischen Lachmöwen und Flussseeschwalben am Südufer des Sees. Im Westmoränenhang des Ammersees gibt es eine starke Hohltaubenpopulation (über 50 Paare) in Nistkästen. Die Saatkrähe hat zwei Kolonien im Bereich des Sees: eine in Hechendorf am Pilsensee und eine weitere in Dießen (Südwestufer des Sees) am Bahnhof. Blau- und Schwarzkehlchen brüten in den Ammerwiesen. Beachtliche sechs Spechtarten inklusive Grau- und Mittelspecht (mit dem südlichsten bayerischen Vorkommen) sowie Hohltauben können im NSG Seeholz am Westufer des Ammersees beobachtet werden.

Größere Bedeutung hat der Ammersee als Rast-, Mauser- und Überwinterungsraum. Die überwinternden Arten sind dabei ähnlich zu denen am Starnberger See. Die Überwinterungs- und Rastzahlen der einzelnen Arten schwanken zum Teil recht stark. Folgende Tabelle gibt eine Übersicht zu den durchschnittlichen jährlichen Maxima ausgewählter Arten aus den Jahren 1986 - 96 (Daten aus Strehlow 1998 ausgewertet).

Art

durchschnittliche jährliche

 Maxima (1986 - 96)

Prachttaucher

8

Rothalstaucher

15

Schwarzhalstaucher 

23 

Ohrentaucher

4

Pfeifente

29

Zwergsäger

8

Mittelsäger

4 - 5

Gänsesäger

124

Kolbenente

143

Bergente

9

Schellente

980

Kornweihe

15 (Schlafplatz im Ampermoos und südlich des Sees)

Merlin

2 - 4 (Schlafplatz südlich des Sees)

Rotfußfalke

2

Temminckstrandläufer

4

Großer Brachvogel

30

Schwarzkopfmöwe

4

Sturmmöwe

215

Brandseeschwalbe

3

Weißbart-Seeschwalbe

5 - 6

Weitere rastende und überwinternde Arten sind Sterntaucher (Dez. und Feb.), Silberreiher, Mittelmeer-, Silber-, Herings-, Steppen- und Zwergmöwe, Spieß-, Löffel-, Knäk-, Eider- und Samtente, Rohrweihe, Wasser- und Tüpfelralle, eine Vielzahl von Limikolen, Weißbartseeschwalbe, Bergpieper, Braunkehlchen und Bergfink. Fast alljährlich sind Rohrdommel und Eistaucher zu beobachten. 


Lebensräume:

Naturnahe Laub(misch)waldbestände und Niedermoorbereiche sowie die Ammerseefläche mit angrenzenden schilfdominierten Verlandungsbereichen.


Information:

Internet:

http://www.5seenland.info/index.php Allgemeine Infos zur Ammerseeregion (Unterkünfte usw.)

http://www.fuenfseen.de/Startseite/Tagen-Hochzeiten.rsys Allgemeine Infos zur Ammerseeregion

http://www.ammersee-region.de/ Allgemeine Infos zur Ammerseeregion

http://www.diessen.net/ammersee-net/ 

http://www.mvv-muenchen.de/ Münchener Verkehrsverbund

 

Literatur: 

  • Strehlow (1997): Ammersee-Gebiet 1966-1996. Teil I: Trends ausgewählter Brutvogelarten - Ornithologischer Anzeiger, Band 36, Heft 2/3; Ornithologische Gesellschaft in Bayern e.V. (Hrsg.), München, SS. 125- 142

  • Strehlow (1998): Ammersee-Gebiet 1966-1996. Teil II: Trends ausgewählter Gastvögel - Ornithologischer Anzeiger, Band 37, Heft 1; Ornithologische Gesellschaft in Bayern e.V. (Hrsg.), München, SS. 19- 45

  • Strehlow (2004): Die Vogelwelt des Ammersee Gebietes 2002 - In: Avifaunistik in Bayern, Band 1, Heft 1, März 2004; SS. 31-56


Anfahrt:

Mit der Bahn: Die nächsten Bahnhöfe sind Herrsching, Schondorf, Utting, Riederau und Dießen. weitere Infos unter http://www.mvv-muenchen.de/ und http://www.bahn.de 

Mit dem Auto: Von Norden über die A 96

Karte verändert nach: Bayerisches Landesvermessungsamt, Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2000 - Bundesrepublik 1:1 Mio 

 


Beobachtungsmöglichkeiten:

1 Ampermoos: Das Ampermoos beherbergt im Winter einen Kornweihenschlafplatz mit bis zu 70 Tieren. Zur Zugzeit kann man Rohrweihen, Pieper (Rotkehlpieper fast alljährlich), Lerchen und Rohrammern im Gebiet beobachten. Es gibt zwei Zugänge zum Ampermoos. Einer erfolgt bei Eching an dem Sportgelände und der Kläranlage wo man sein Auto auch abstellen kann (1). Von hier geht man zu Fuß in das Ampermoos (rot gestrichelt). Die interessanten Kläranlagenflächen rechterhand sind leider sehr zugewachsen, was die Beobachtungsmöglichkeiten stark einschränkt. Der zweite Zugang erfolgt über Inning: Ab der Innenstadt folgt man dem rot eingezeichnetem Weg unter der Autobahn hindurch. Kurz darauf muss man sein Auto abstellen und man folgt einem einfachen Weg in das Niedermoorgebiet (rot gestrichelt eingezeichnet). Die Weihen sammeln sich schon ein bis zwei Stunden vor Sonnenuntergang im Gebiet. 

Karte verändert nach: Bayerisches Landesvermessungsamt, Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2000 - Top. Karte 1:50.000 Bayern 

2 NSG Seeholz bei Riederau: Dieses Gebiet beherbergt Bayerns südlichste Mittelspecht-population. Auch Schwarz-, Grau-, Grün-, Bunt- und Kleinspecht sowie Hohltauben lassen sich beobachten. Der Zugang erfolgt über die Ansiedlung Rieden, die zwischen Riederau im Süden und Utting im Norden liegt. In Rieden (1) führt ein für Fahrzeuge gesperrter Fahrweg nach Osten in das NSG. Das eigene Fahrzeug kann man in der Umgebung des am Weganfang liegenden Gehöfts abstellen (wenn Eigentümer zu sehen sind, bitte kurz um Erlaubnis bitten). Man folgt dem Weg zum Wald und an der ersten T-Kreuzung folgt man dem Weg nach links (2) bis dieser aufhört. In dem Bereich zwischen der Kreuzung und dem Wegende sind viele der interessanten Arten zu beobachten. Da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, dürfen die Wege nicht verlassen werden!

Karte verändert nach: Bayerisches Landesvermessungsamt, Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2000 - Top. Karte 1:50.000 Bayern 

3 Herrschinger Bucht bei Herrsching: Die Herrschinger Bucht gehört zu den besten Beobachtungs-plätzen am Ammersee. Hier findet man im Winter die meisten Seetaucher und Zwergmöwen. Von Breitbrunn (Norden) kommend fährt man entlang des östlichen Seeufers. Kurz vor Herrsching passiert man linkerhand ein Kloster (etwas versteckt liegende Holzgebäude) und kurz darauf liegt rechterhand fast direkt am Seeufer ein Parkplatz (1), an dem man halten und am See beobachten kann. Links im Blickfeld liegt ein im Wasser stehendes Kreuz (+), das von lokalen Ornithologen gerne als Referenzpunkt verwendet wird. Um den Bereich östlich des Kreuzes einzusehen, fährt man ein kurzes Stück weiter Richtung Herrsching, bis direkt am Ortsschild "Herrsching" ein weiteres Schild "Privatparkplatz der Bildungsstätte des Bayerischen Bauernverbandes" auf einen Parkplatz auf der rechten Straßenseite verweist (2). Hier kann man parken. Am rechten unteren Ende des Parkplatzes führt ein Weg Richtung See (rot markiert). Kurz darauf trifft man auf einen weiteren Fußweg, den man rechts gehend bis zum Seeufer folgt (3). Manchmal lohnt sich auch der Blick vom Bootsanleger in Herrsching (kostenpflichtiger Parkplatz).

 

Karte verändert nach: Bayerisches Landesvermessungsamt, Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2000 - Top. Karte 1:50.000 Bayern 

4 Schullandheim Wartaweil: Dieser Punkt bietet Einblicke in die Herrschinger Bucht von Süden und ergänzt Punkt 3 sehr effektiv. Auch dieser Beobachtungspunkt ist für die im Winter anwesenden Seetaucher sehr gut. Von Herrsching fährt man zunächst der Hauptstrasse folgend Richtung Erling/Feldafing/Tutzing. Am südlichen Ortsrand von Herrsching biegt man rechts Richtung Wartaweil/Aidenried ab. Knapp zwei Kilometer nach diesem Abzweig, kommt rechts ein brauner, rund 2m hoher Lattenzaun in Sicht. Darin liegt eine Einfahrt flankiert von zwei Fahnenmasten. Die Hausnummer 45 ist deutlich abzulesen. Hier stellt man sein Auto an der Straße oder auf dem Parkplatz hinter dem Zaun ab. Es handelt sich um ein Schullandheim, dessen Grundstück man nun überquert, indem man sich am Parkplatz hinter der Einfahrt links hält und einem Fußweg zum See folgt (immer bergab). Nahe des Seeufers trifft man auf einen Fuß- und Radweg, dem man linkshaltend wenige Meter bis zum Steg folgt.

5 Gaststätte Aidenried (1): Von Herrsching und Wartaweil (Norden) kommend passiert man den Ort Aidenried. Fast am südlichen Ortsende weist nach rechts ein Schild Richtung "Gaststätte Aidenried". Hier fährt man hinein und parkt auf dem Schotterparkplatz der Gaststätte. Vom Parkplatz geht man an das Seeufer zum Beobachten. Um die Südbucht voll überblicken zu können, muss man noch ein wenig nach links am Ufer entlang gehen. Typische Arten sind hier Lappentaucher, Gründelenten, Eiderenten (gelegentlich im Winter), Limikolen, Möwen, Reiher (Silberreiher ist regelmäßig) und Seeschwalben (Sommer).

Karte verändert nach: Bayerisches Landesvermessungsamt, Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2000 - Top. Karte 1:50.000 Bayern 

6 Auf dem Ammerdamm entlang der Südbucht: Dieser Weg lohnt sich vor allem zur Brutzeit. Von Aidenried fährt man weiter nach Süden und biegt in dem Ort Vorderfischen nach rechts Richtung Dießen ab. Rund 0,7 km nach diesem Abzweig kommt auf der linken Straßenseite direkt an der eingedeichten Ammer ein Parkplatz (2). Weiter geht es zu Fuß auf dem rechten (östlichen) Damm nach Norden. Nach rund einem Kilometer kommt links der Binnensee in Sicht in dem sich eine aufgeschüttete Kiesinsel sowie Brutflöße für Flussseeschwalben befinden (3). Im Sommer kann man hier neben den Seeschwalben auch Schwarzkopf- und ganzjährig die Mittelmeermöwe beobachten. Rechts liegt die Südbucht des Ammersees, wo man Arten wie bei 1 beschrieben (s.o.) beobachten kann. Am Ende des Dammes ergeben sich - leider eingeschränkt durch Weidenjungwuchs - einige Blicke auf Schlammflächen, die gut für Limikolen sind.

7 Merlinschlafplatz im Ammermoos: Vom Ammerkanal (2) fährt man Richtung Dießen (Westen). Nach 1,7 km, kurz vor der Alten Ammer, geht rechts eine Abfahrt steil die Böschung ab (Vorsicht!: manchmal unten matschig). Hier fährt man ein kurzes Stückchen hinein und stellt sein Auto ab ("Durchfahrt verboten"-Schild und Schranke) (4). Man folgt dem Weg hinter der Schranke und passiert einen Holzschuppen hinter dem man bald die offenen Flächen des Ammermooses einsehen kann (Weg rot in Karte markiert). Hier hat man gute Chancen, die Merline beim Einflug zu beobachten (durchschnittliche Jahresmaxima: 3-4 Individuen).

8 Hafen in Dießen (5): Der Hafen in Dießen ist im Winter gut für rastende Großmöwen, wie z.B. Silber-, Mittelmeer- und Steppenmöwe. Nahe des Hafens liegt auch der Bahnhof, an dem sich eine Saatkrähenkolonie befindet.

9 Raistinger Wiesen: Von Vorderfischen Richtung Dießen kommend, biegt man 1 km hinter 4 (Merlinschlafplatz (s.o.)) links vor Bahngleisen Richtung Raisting ab. Der Bereich um 6 ist ab März gut für Schwarzkehlchen und von der Straße aus einsehbar (in angrenzenden Einfahrten parken). 1,7 km hinter dem Abzweig Richtung Raisting biegt man vor einer Bahnunterführung nach links ab und hält sich gleich wieder links (ab hier rot in Karte markiert). Man fährt den Fahrweg bis zu einer Scheune auf der rechten Seite (7), vor der man parkt (geradeaus ist die Durchfahrt verboten). Von hier geht man zu Fuß weiter geradeaus. Der Bereich um die Hochspannungsleitung und darüber hinaus (8) sind Feuchtwiesen, in denen im Winter Kornweihen und zur Zug- und Brutzeit Limikolen wie Großer Brachvogel, Kiebitz, Bekassine oder Goldregenpfeifer (um den 24. Februar) sowie Rot- und Schwarzmilan beobachtet werden können.

10 Bereich Ammerhof an der Ammer: Dieses Areal ist ein guter Platz um Ende Mai Rotfußfalken zu beobachten, die dann mit großer Regelmäßigkeit hier angetroffen werden können. Im Mai 2003 wurde hier 18 Rotfußfalken (Gebietsmaximum) beobachtet. Man erreicht das Gebiet, indem man von Raisting Richtung Pähl fährt. Knapp 2 km hinter Raisting weist nach links ein Schild Richtung Ammerhof. In diese Straße biegt man ein ("Unterer Ammerhof", 9). Entlang dieser Strecke hat man recht gute Chancen, Ende Mai Rotfußfalken zu sehen. Eine weitere Option ist es hinter der Ammer nach rechts Richtung Kompostplatz abzubiegen (10).


 


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